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Große Erleichterung bei Roberto Donadoni, der nach dem WM Gewinn Italiens eine undankbare Aufgabe übernahm.

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Zwei Trauernde blieben, als sich Hampden schließlich doch zu leeren begann.

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Glasgow/Rom - Italien hat am Samstag die Nerven mit einem 2:1 im Schlüsselspiel in Schottland das Ticket für die EURO 2008 gelöst. "Dieses Team wird Europameister", prophezeite Marcello Lippi, der die Squadra 2006 zum WM-Titel geführt hatte. Sein lange Zeit umstrittener Nachfolger Roberto Donadoni atmete nach dem Thriller in Glasgow tief durch und war von der Courage seiner Truppe angetan: "Ich bin tief bewegt. So ein Spiel habe ich noch nie erlebt."

"Complimenti Donadoni", gab es vom "Corriere dello Sport" Sonderlob für den Coach, der von den Medien im Verlauf der Qualifikations-Kampagne oft hart kritisiert worden war. Dieser reichte das Lob direkt an seine Spieler weiter: "Als ich den Spielern in die Augen geschaut habe, wusste ich, dass wir es schaffen."

Dass der Siegestreffer von Christian Panucci in der 91. Minute auch den Franzosen den Weg zur EM ebnete, stieß einigen Italienern bitter auf. "Dass wir Frankreich zur EM geschossen haben, passt mir gar nicht. Schottland hätte es mehr verdient", meinte etwa Mittelfeld-Abräumer Gennaro Gattuso, der über den französischen Coach meinte: "Domenech muss immer etwas sagen, er hat die Quali nicht verdient. Ich hoffe, dass wir bei der EM gegen Frankreich spielen und ihnen eine Lektion erteilen." Zwischen beiden Lagern hatte sich nach dem WM-Endspiel eine Atmosphäre gegenseitiger Abneigung aufgebaut.

Verbandspräsident Giancarlo Abete zeigte sich erleichtert, dass die Mannschaft auf internationaler Bühne endlich wieder ein positives Bild des von Skandalen gebeutelten italienischen Fußballs zeichnen konnte. Und Luca Toni (Gazzetta dello Sport: "Absolut unersetzlich"), der die Azurri bereits nach 67 Sekunden in Front gebracht hatte, stellte klar: "Den Sieg widmen wir Gabriele Sandri."

"Nicht verdient, zu verlieren"

Die Schottland fühlte sich nach Schlusspfiff von Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzales betrogen. "Wir wurden vom Referee beraubt", meinte James McFadden, der die ganz große Chance auf die 2:1-Führung verhaute. Beraubt fühlten sie sich vor allem durch den Treffer zum 1:2, dem ein falscher Freistoß-Pfiff vorausgegangen war. "Meine Spieler hatten es nicht verdient, zu verlieren. In der zweiten Hälfte hing Italien in den Seilen", klagte Teamchef Alex McLeish. Dazu muss allerdings angemerkt werden, dass der schottische Ausgleichstreffer aus Abseitsposition erzielt wurde und ein Tor von Di Natale aus unerfindlichen Gründen nicht anerkannt wurde.

Die 51.301 Zuschauer im Stadion feierten ihre Mannschaft trotzdem. Die "Tartan Army" jubelte nach dem Abpfiff so lange, bis sich die niedergeschlagenen Spieler noch einmal in der Arena zeigten. "Alex McLeish und seine Mannschaft haben Schottlands Stolz in seine Fußball-Elf wiedererweckt", lobte der britische Premierminister Gordon Brown - selbst Schotte - der die Partie im Stadion verfolgt hatte. (APA/Reuters/dpa)