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STANDARD: Hat der Autorenstreik Auswirkungen auf das ORF-Programm?

Bogad-Radatz: Bis Frühjahr 2008 sind wir versorgt. Aber wir machen uns Sorgen, weil die Produktionsarbeit auch einiger unserer Serien unterbrochen wurde. Wir wollen im Frühjahr neue Folgen von "Desperate Housewives" spielen, das geht nur, wenn sich die Autoren bald einigen.

STANDARD: Und wenn sie's nicht tun?

Bogad-Radatz: Werden wir vermutlich mehr Wiederholungen spielen.

STANDARD: Wann rechnen Sie mit einer Einigung?

Bogad-Radatz: Nachdem es für die Studios ein materieller Schlag ist, glaube ich, dass man sich bald einigt. Jeder Tag, der nicht produziert wird, kostet.

STANDARD: Der Streik 1988 kostete 500 Millionen Dollar und dauerte fünf Monate.

Bogad-Radatz: Heute wäre das ein Vielfaches davon. Ich verstehe die Forderungen der Autoren, die auch an Video-on-Demand und DVD-Verkauf mitschneiden wollen.

STANDARD: Werden die Zuschauer "Desperate Housewives" in Endlosschleife akzeptieren?

Bogad-Radatz: Es könnte ja auch eine andere Serie sein.

STANDARD: Heimische Filmschaffende fühlen sich vom ORF unterversorgt. Sie beklagen die Dominanz von US-Serien im TV-Programm.

Bogad-Radatz: Dass US-Serien bei den Jungen so beliebt sind, ist ein internationales Phänomen. Sat.1 etwa hat dagegen viel versucht. Zuletzt war "Deadline" ein Riesenflop. Das ist fast schon tragisch.

STANDARD: Was können US-Serien, was österreichische nicht können?

Bogad-Radatz: Sie brechen Tabus. Im Gegensatz zu klassischen deutschen und österreichischen Serien weiß der Zuschauer nach fünf Minuten nicht, wie sie ausgehen.

STANDARD: Könnte der Streik eine Chance für österreichische Regisseure sein?

Bogad-Radatz: Schon. Wir testen auch so Verschiedenes, wollen Geschichten anders erzählen.

STANDARD: Österreichisches "C.S.I."?

Bogad-Radatz: Den Fehler machen wir nicht!

STANDARD: "Six Feet Under" auf Wienerisch?

Bogad-Radatz: Das Morbide könnte funktionieren. (Doris Priesching/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 11. 2007)