Beirut - Der französische Außenminister Bernard Kouchner ist am Sonntagabend zu einer neuen Vermittlungsmission in der libanesischen Hauptstadt Beirut eingetroffen. Er werde vermutlich so lange bleiben, bis das Parlament einen neuen Präsidenten gewählt habe, sagte Kouchner nach seiner Ankunft. Er hatte sich bereits in vergangenen Woche im Libanon um eine Entschärfung der politischen Krise bemüht, am Samstag war sein italienischer Kollege Massimo D'Alema da.

Lahouds Amtszeit endet am Samstag

Das libanesische Parlament will am Mittwoch zusammenkommen, um einen neuen Versuch für die Wahl eines Präsidenten zu unternehmen. In bisher drei Anläufen seit September ist den Abgeordneten nicht gelungen, einen Nachfolger für das scheidende Staatsoberhaupt Emile Lahoud zu finden. Dessen Amtszeit endet am Samstag. Aufgrund des institutionellen Religionsproporzes stellt die maronitisch-christliche Bevölkerung des Präsidenten.

Das Lager der pro-westlichen Regierung von Ministerpräsident Fouad Siniora und der von der Hisbollah geführten Opposition haben sich bisher nicht auf einen Kompromisskandidaten einigen können. Damit steckt der Libanon in der tiefsten politischen Krise seit Ende des Bürgerkriegs vor 17 Jahren.

Die innenpolitische Krise im Libanon wird einerseits vom Konflikt zwischen dem Westen und dem Iran, andererseits vom Nahost-Konflikt im Vorfeld der von den USA vorbereiteten Konferenz in Annapolis bestimmt. US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte sich zuletzt bei der internationalen Irak-Konferenz in Istanbul ausdrücklich gegen "Kompromisse" mit der von Syrien unterstützten libanesischen Opposition ausgesprochen. (APA/AP)