ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek vergleicht Bildungsstudien mit Schwangerschaftsmedikamenten.

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Die ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek hält nicht viel vom Bildungsvergleich. In dem Band "PISA zufolge PISA", der am Montag erschienen ist, bezeichnet sie in ihrem Beitrag die Studie als "Contergan der Bildungsforschung".

Schädigt Kinder

Den Vergleich mit dem deutschen Pharmaskandal, bei dem in den 60er Jahren rund 5.000 Kinder durch die schädlichen Nebenwirkungen des Schwangerschaftsmedikaments Contergan mit Fehlbildungen auf die Welt kamen, rechtfertigen die AutorInnen damit, dass Pisa einen hohen Marktanteil zu verteidigen habe und staatliche Gelder dafür aufgebracht werden. "Contergan führte zu Tausenden behinderten Neugeborenen, während PISA im schlechtesten Fall nur die Ausbildung der Kinder schädigt", so Brinek und ihr Co-Autor Stefan Hopmann.

"Parteipropaganda"

Grünen-Chef Alexander Van der Bellen bezeichnet den Vergleich als grauenhaft. "Das ist ein Missbrauch der Contergan-Opfer für Parteipropaganda", kritisiert er die Aussagen Brineks. Von Brinek fordert er eine Rücknahme dieser Entgleisung.

SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser schließt sich der Kritik an: "Der Vergleich mit Contergan ist geschmacklos und beleidigend für jene MitarbeiterInnen in Ministerien und Universitäten, die an PISA arbeiten."

Neben Brineks Beitrag finden sich in dem Sammelband Schriften von verschiedenen europäischen BildungsforscherInnen. So macht etwa der Erziehungswissenschafter Richard Olechowksi darauf aufmerksam, dass zwar alle Staaten, die sich an der PISA-Studie beteiligten, eingeladen wurden, auch bei der Sammlung der Aufgaben mitzutun. Allerdings seien dem nicht alle nachgekommen: Dadurch sei ein "cultural bias" entstanden, also eine Verzerrung in Richtung der kulturellen Eigenheiten bzw. Eigenarten jener Staaten, die sich an der Aufforderung nach Einsendung von Aufgaben beteiligten. (red/apa)