Denn weder Deutschland noch Italien sind bisher fixe Verpflichtungen eingegangen.

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Brüssel/Wien – Die EU-Kommission will den Brenner-Basistunnel (BBT) mit 786 Millionen Euro fördern. Diese Summe geht aus dem Kommissionspapier zur geplanten Finanzierung der Transeuropäischen Verkehrsprojekte hervor, das Verkehrskommissar Jacques Barrot am Mittwoch im EU-Parlament präsentieren wird. Die genannte Summe bezieht sich nur auf die laufende Haushaltsperiode von 2007 bis 2013, danach wird mit weiteren Zuschüssen aus Brüssel gerechnet.

Die EU macht damit ihre Ankündigung wahr, die Vorarbeiten des zumindest sechs Milliarden Euro teuren Projekts mit 50 Prozent zu fördern. Die geplante Fördersumme kann zur Hälfte Österreich und zur Hälfte Italien zugerechnet werden, heißt es aus informierten Kreisen. Rund 592,65 Mio. Euro davon entfallen tatsächlich auf den Bau des längsten Eisenbahntunnels Europas, 193,35 Mio. Euro entfallen auf die notwendigen Studien.

Bei den Baukosten des BBT selbst wäre der Anteil der EU-Kommission rund 27 Prozent, möglich wären bis zu 30 Prozent. Allerdings soll es dem Vernehmen nach auch Fördermittel für weitere Zulaufstrecken im Inntal sowie in Italien und Deutschland geben. Insgesamt – also unter Berücksichtigung der Inflation und der Finanzierungskosten – dürfte der Tunnel neun Mrd. Euro kosten. Der Baubeginn ist für 2009 vorgesehen, die Fertigstellung 2020 bis 2022. Die Fahrtzeit zwischen Bozen und Innsbruck würde sich von derzeit zwei Stunden auf 50 Minuten reduzieren.

Der Zuschuss liegt deutlich unter früheren Ankündigungen Barrots, 900 Mio. Euro für den Tunnel springen zu lassen. Die Reduktion der Fördersumme dürfte vor allem auf die Verschiebung der Röhre zurückzuführen sein, der Baubeginn wird mit frühestens 2009, wahrscheinlicher aber 2010 anberaumt. Eine Ausschreibung ist aufgrund der Probleme bei den Vorarbeiten noch in weiter Ferne.

Abschied von PPP

Von einer Beteiligung privater Anbieter, die ursprünglich im Rahmen einer privat-öffentlichen Partnerschaft (PPP) das Projekt stemmen sollten, ist seit geraumer Zeit keine Rede mehr. Neben den fehlenden Zusagen Italiens und Deutschlands gibt es trotz diverser Willensbekundungen auch kein fixes Budget in Österreich für den BBT.

Während die Zulaufstrecke im Unterinntal (Kostensteigerung von mehr als 70 Prozent) voranschreitet, gibt es für den Zulauf Süd (und teilweise auch den Abschnitt München - Kufstein) noch wenig Konkretes. Für den BBT-Beauftragten Karel van Miert steht jedoch fest, dass „die Zugangsstrecken bis zum Zeitpunkt der Fertigstellung zu verwirklichen“ sind. Italiens Regierung ist bisher allerdings von einer Fertigstellung erst im Jahr 2030 ausgegangen. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2007)