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Mit bis zu 300 km/h treffen die Farbkugeln auf den Gegner - ist dieser "markiert", muss er vom Feld gehen. Das Ziel ist die gegnerische Flagge.

Foto: Reuters
Wien/Deutsch-Wagram - "Ten seconds warning!", ertönt ein bestimmender Schrei. Es wird still in der Halle, und das Adrenalin steigt. Ein Pfiff - die Spieler laufen los.

Paintball ist ein Teamsport, der in Österreich immer bekannter wird. Die derzeitige Medienpräsenz werde jedoch meist "dafür herangezogen, Schlagzeilen zu machen, und nicht, um über den Sport im Detail zu berichten", bedauert Paintballspieler Stefan Rapf. Er ist einer der Gründer des ersten Paintballsportvereins Deutsch-Wagram (PbSV DW).

Seinen Ursprung hat Paintball in Kanada (laut APA). Zwei Holzfäller machten sich einen Jux daraus, sich selbst anstatt die Bäume zu markieren. "Markieren" ist hierbei das große Schlüsselwort, denn Paintballspieler lehnen es strikt ab, sich mit militanten Spielen zu identifizieren.

Kein Kriegsspiel

So meint auch Michael Brechelmacher (20), Paintballspieler im PbSV DW: "Ich selber distanziere mich absolut von Kriegsnachspielungen." Statt "abschießen" wird das Wort "markieren" verwendet, und das "Spielgerät" nennt sich "Markierer".

Zwei Mannschaften spielen gegeneinander, und wer nicht schnell genug ist und sich von den "Paints" (Farbkugeln) treffen lässt, ist draußen. Diese gibt es in allen Farben - ausgenommen Rot, da diese strikt verboten ist.

Die Paints werden mit etwa 200 bis 300 km/h (je nach Einstellung) verschossen. Klingt schmerzvoll, ist es aber nicht, da die Spieler durch gepolsterte Schutzkleidung geschützt sind. Ohne Schutzmaske wird das Spielfeld nicht betreten, und durch einen Extra-Schutz (Laufsocken) über den Lauf des Markierers ist zusätzliche Sicherheit geboten.

"Von Anfang an war ich fasziniert darüber, wie teuer Paintball ist, und trotzdem habe ich jeden Cent dafür aufgespart", erzählt Alexander Dvorak, Paintballtrainer und -experte und einer der Vereinsgründer des PbSV DW. Rund 2000 Euro können für die Grundausrüstung gerechnet werden. Doch mit der Popularität kommt auch der Preissturz, und somit wird es derzeit immer billiger.

Nicht das Gewinnen zählt vorranging, sondern die ausgeklügelte Technik: "Ein taktisches Spiel und die trainierten Moves sind das Ausschlaggebende", bezeugt Dvorak. Dazu wird wöchentlich trainiert.

Durch lautes Zurufen von Befehlen wie "Cover me!" ("Deck mich!") wird innerhalb der Mannschaft kommuniziert und so versucht, die gegnerische Flagge zu erobern. Hierbei kann es auch schon nach wenigen Minuten "Game over" heißen. Um die Fairness zu gewährleisten, gibt es sogenannte "Marshals" (Schiedsrichter), die das Spiel im Auge behalten und markierte Spieler aus dem Spiel schicken.

Ehre, Loyalität, Würde

"Für mich als Trainer seit zehn Jahren ist es wichtig, die richtigen Werte zu vermitteln: Ehre, Stolz, Würde, Anstand, Höflichkeit, Teamgeist, Loyalität, Ehrlichkeit", erklärt Dvorak. "Es mag komisch klingen, doch jeder meiner Schützlinge wird draufkommen, dass er das unterbewusst lernt."

Diese Attribute können nicht nur im Freundschaftsspiel, sondern auch bei Turnieren unter Beweis gestellt werden. Bei diesen treten in der Regel Vereine gegeneinander im Drei- bis Fünf-Mann Team an. Laut APA gibt es in Österreich mehr als 50 Paintballvereine, welche nur auf genehmigten Feldern spielen.

"Der Adrenalinspiegel kann ganz schön ansteigen", erzählt Alexander Helm (18). Er ist das jüngste Mitglied des PbSV DW, denn auf den meisten Plätzen und in den meisten Hallen darf erst ab 18 Jahren gespielt werden. Damit halte man sich an die Landesgesetze.

Für Helm war es ein Geschenk zu seiner Firmung, das in ihm die Sucht für Paintball geweckt hat. Er trainiert jede Woche, um immer besser zu werden, und fühlt sich aber manchmal falsch verstanden. "Leider hat uns H.-C. Strache mit seinen Wehrspielen nur Ärger bereitet", ist auch Dvorak der Meinung. "Österreich ist konservativ, und somit denkt jeder über noch nicht etablierte Dinge negativ." Er sieht das jedoch optimistisch, denn "alles braucht Zeit".

In der Paintball-Szene ist man sehr enttäuscht über die Vorwürfe und Missbräuche der Markierer durch "schwarze Schafe". "Wenn man eine Bank mit einem Messer überfällt, will man dann Küchenmesser verbieten?", ist Dvorak aufgebracht. Brechelmacher hingegen nimmt es gelassener: "Solche Leute sollten nur hoffen, dass ich nicht in der Bank bin, weil ich habe keine Angst vor Farbkugeln." (Petra Polak, DER STANDARD Printausgabe 20. November 2007)