Eisenstadt – Der burgenländische Energieversorger Bewag wird, wie Der Standard in seiner Wochenendausgabe berichtete, einen Gutteil seines Vermögens versilbern. Das ist das Ergebnis der montägigen – turbulent verlaufenen – Aufsichtsratssitzung, in welcher der Vorstand beauftragt wurde, ein „transparentes, EU-konformes Bieterverfahren“ in die Wege zu leiten.

Betroffen von der Privatisierung sind alle Beteiligungen, die nicht zum unmittelbaren Kerngeschäft – der Stromerzeugung und -versorgung – zählen. Also der Elektronikkomponenten-Hersteller Becom und der Internet- und Kabelnetzbetreiber Bnet.

Darüber hinaus lappt die Veräußerungsabsicht aber durchaus auch ins Kerngeschäft. 49 Prozent des Windparkbetreibers Austrian Windpower soll den Weg auf den freien Markt gehen. Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl: „Die Mehrheit bleibt aber in öffentlicher Hand.“ Bei den ausländischen Beteiligungen – vor nicht ganz einem Jahr hat man sich mit 50 Millionen Euro in Kroatien eingekauft – gilt laut Niessl die Sperrminoritätsgrenze.

Als angeblicher Interessent wurde eine französische Investmentgruppe namens Novalis genannt. Ebenso angeblich nennt der Kurier in seiner Dienstag-Ausgabe als Kaufinteressent erstaunlicherweise die Burgenland Holding selbst, 49-Prozent-Eigner der Bewag.

Letzteres wäre ein Coup ganz besonderer Güte, der dem landauf, landab gehegten Verdacht, es gehe hierbei um eine eigentümerseitige Geldbeschaffung, durchaus Nahrung geben könnte. Immerhin sagt Hans Niessl auch: „Die Bewag benötigt kein Geld.“ Sie habe durch recht umsichtiges Wirtschaften erhebliche Rücklagen bilden können (ein Insider spricht von hunderten Millionen Euro). Der erhoffte Erlös von 100 bis 150 Millionen Euro wird also zur Gänze in die Taschen der Eigentümer fließen (51 Prozent Land Burgenland, 49 Prozent ein Konsortium aus EVN, Verbund und Wiener Stadtwerke).

Das Geld, das durch die Privatisierung lukriert wird, soll, so Niessl, in den mit bisher 225 Millionen Euro dotierten Burgenland Fonds eingespeist werden. Das Verkaufsverfahren soll, so Niessl, bis Ende 2008 abgeschlossen sein. (wei/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2007)