Amman - In Jordanien sind knapp 2,5 Millionen Bürger am Dienstag aufgerufen, ein neues Unterhaus zu wählen. Überschattet wird der Urnengang von Vorwürfen der Islamisten, die Regierung habe einige Kandidaten im Wahlkampf behindert und versuche mit mannigfaltigen Methoden, das Ergebnis zu manipulieren. Nachdem sie zunächst mit einem Wahlboykott gedroht hatte, tritt die Islamische Aktionsfront (IAF) mit 22 Kandidaten an. Bisher sind die Islamisten mit 17 Abgeordneten im 110 Sitze zählenden Unterhaus des Parlaments vertreten. Die Regierung lehnte die Forderung der IAF nach ausländischen Wahlbeobachtern ab.

Es ist die zweite Parlamentswahl unter der Herrschaft von König Abdullah II. (45), der den Haschemitenthron 1999 nach dem Tod seines Vaters Hussein bestiegen hatte. Abdullah II. ist ein enger Verbündeter der USA. Das jetzige Parlament wird von regierungstreuen Abgeordneten dominiert. Insgesamt bewerben sich 885 Kandidaten um die 110 Sitze. Unter den Kandidaten sind 199 Frauen.

Stärkste Einzelfraktion

Die Islamische Aktionsfront ist der politische Zweig der Muslimbruderschaft und stellte bisher die stärkste Einzelfraktion im jordanischen Unterhaus. Die Muslimbruderschaft (Jamiat al-Ikhwan al-Muslimun), die in zahlreichen islamischen Ländern Ableger hat, war 1928 von dem ägyptischen Lehrer Hassan al-Banna gegründet worden. Sie folgt der Devise: "Gott ist unser Ziel, der Koran ist unsere Verfassung".

Das jordanische Wahlgesetz wird kritisiert, weil die Wahlbezirke so zugeschnitten sind, dass die Stimmen aus den von Stammesdenken geprägten ländlichen Gegenden viel mehr Gewicht haben als Stimmen der städtischen Bevölkerungsmehrheit. Auf dem Land entscheidet oft die Stammeszugehörigkeit des Kandidaten darüber, wo der Wähler sein Kreuz macht. Regierungssprecher Nasser Jauda sagte vor der Wahl, er hoffe, dass die Beteiligung höher sein werde als beim Urnengang vor vier Jahren. Damals hatten nach offiziellen Angaben 58 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. (APA/dpa)