Berlin - Der Schriftsteller Wilhelm Genazino erhält am kommenden Sonntag in Berlin den mit 20.000 Euro dotierten Kleist-Preis 2007. Genazino wurde vom Schauspieler Ulrich Matthes, den die Jury der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft zum Vertrauensmann gewählt hatte, als Preisträger bestimmt.

Der 1943 in Mannheim geborene und heute in Frankfurt am Main lebende Genazino, der 2004 bereits den Büchner-Preis erhielt, gehört nach Ansicht vieler Kritiker zu den stärksten deutschen Erzählern. Der 64-jährige Schriftsteller, der als Journalist begann und früher bei der jetzt eingestellten Satirezeitschrift "Pardon" arbeitete, hat sich vor allem als ironischer Chronist und genauer Beobachter des bundesdeutschen Alltags einen Namen gemacht. Sein besonderes Interesse galt dabei der Angestelltenwelt mit ihren Anti-Helden und meist unpolitischen Sonderlingen. Kritiker lobten dabei oft seine Gratwanderung zwischen Schmerz, Melancholie, Ironie und der Freude am Augenblick des Beobachtens.

1977 erschien der erste Band seiner "Abschaffel"-Trilogie über das trostlose Leben eines Frankfurter Angestellten, mit der Genazino einem größeren Leserkreis bekannt wurde. In seinen Reden, Essays und Aufsätzen mischt sich Genazino auch in aktuelle gesellschaftspolitische Debatten ein, zur offiziellen Kulturpolitik ebenso wie zur ausländerfeindlichen Gewalt. Vor allem aber gehört seine Zuneigung immer wieder den Gestrandeten, "Verrückten" und Verlierern der Gesellschaft.

Nach 2000 erschienen die Romane "Ein Regenschirm für diesen Tag", "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" (2003) und "Die Liebesblödigkeit" (2005). Zuletzt wurde Genazino mit dem Corine-Belletristik Preis 2007 für seinen in diesem Jahr erschienenen Roman "Mittelmäßiges Heimweh" ausgezeichnet. (APA/dpa)