Nürnberg - Einer der wertvollsten Buchschätze des Mittelalters, der "Codex Aureus", wird erstmals seit 25 Jahren wieder ausgestellt. "Das Goldene Evangelienbuch von Echternach" ist bis zum 24. Februar 2008 im Germanischen Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg zu sehen. Die Handschrift ist um das Jahr 1045 in der Benediktinerabtei Echternach im heutigen Luxemburg entstanden.

Das lichtempfindliche Original bleibt auch während der Ausstellung hinter Glas. Die Bildseiten zieren als Faksimile die Wände. Ergänzt wird die Schau durch kostbare weitere Faksimilebände aus der ottonischen und salischen Kaiserzeit zu Beginn des letzten Jahrtausends. Als Besonderheit zeigt die Ausstellung neue historische und kunsttechnische Erkenntnisse über die Herstellung des Codex. Die Handschrift wurde seinerzeit ausschließlich mit Goldtinte erstellt - daher der Name "Codex Aureus" ("Goldener Codex").

Kunstwerk Buchdeckel

Der Buchdeckel ist ein Meisterwerk der Trierer Goldschmiedekunst um 985/990, gefertigt aus Gold, Elfenbein, Email, Edelsteinen und Perlen. Er gelangte vermutlich als Stiftung der Kaiserin Theophanu und ihres Sohnes Otto III. nach Echternach. Zur Blütezeit der dortigen Klosterschule fertigten die Buchkünstler den Codex und schmückten ihn mit dem Prunkdeckel.

Nach der französischen Revolution und der Auflösung der Klöster kam der "Codex Aureus" Ende des 18. Jahrhunderts in den Besitz der Herzöge von Sachsen-Coburg-Gotha.

1955 hat ihn das Germanische Nationalmuseum für 1,1 Millionen D-Mark erworben. Den heutigen Wert schätzte Generadirektor Ulrich Großmann am Dienstag auf mehr als 30 Millionen Euro. 1982 wurde der Bildband letztmals in Nürnberg gezeigt. Seither lagerte er im klimatisierten Tresor der Museumsbibliothek. Nur der wertvolle Einband war im Rahmen der Mittelalter-Ausstellung des GNM zu sehen. (APA/dpa)