Nach massiver Kritik nimmt ein Jagdausstatter aus Salzburg die Spielzeugwaffen für Kinder aus dem Sortiment, berichtet das Online-Medium orf.at. Das Unternehmen hat weiter angekündigt über 40.000 Artikel auf Kindersicherheit überprüfen zu wollen und im Zweifel aus dem Programm zu nehmen.

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Salzburg - Zahlreichen Salzburger Haushalten ist in den vergangenen Tagen der Weihnachtskatalog eines österreichischen Jagd-Geschäftes ins Haus geflattert, in dem für Kinder ab drei Jahren genaue Nachbildungen von Jagdwaffen angeboten werden. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft hat umgehend eine rechtliche Prüfung angekündigt. Die Kinderfreunde Salzburg und der stellvertretende Landesjägermeister Walter Grafinger stimmen dem zu: Das Angebot eines Schießspiels für Kinder ab drei Jahren, mit dem sie üben können "Tontauben zu schießen - wie bei den Profis", sei "rechtlich bedenklich".

Schrotpatronen für "Jungjäger"

Zusätzlich werden in dem Katalog auch Ersatz-Gummipatronen angeboten. Alles sei "gefahrlos und kindgerecht", heißt es im Katalog. Außerdem wird auch noch ein sogenanntes "Querflintenset" mit Schrotpatronen für "Jungjäger" ab drei Jahren angeboten. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Helmut Dieter Kus, rechtfertigt die Geschenkidee zum Weihnachtsfest: Die Gummipatronen zum Tontaubenschießen seien "weich und deshalb ungefährlich". Und die Patronen für die nachgebauten Schrotflinten seien überhaupt nur Attrappen und zum Knallen da.

Nachgebildete Jagdwaffen

"Wir haben keinerlei Kriegsspielzeug, wir haben nachgebildete Jagdwaffen, die aus Kunststoff, Holz oder Metall hergestellt sind und keinerlei Gefährdung für Kinder darstellen", so die Stellungnahme des Unternehmens. Einer rechtlichen Prüfung der Kindergewehre durch die Jugendanwaltschaft sehe man "gelassen" entgegen.

Völliger "Unsinn"

"Das ist ein völlig abzulehnender Unsinn. Eine Waffe ist immer etwas Gefährliches und man darf es nie als Spiel darstellen, eine Waffe anzuwenden. Das wird hier gemacht", zeigte sich Grafinger entsetzt. Besonders abwegig sei die Anpreisung "gefahrlos, kindgerecht, ab drei Jahren". Grafinger, der auch Präsident des Salzburger Landesgerichtes ist, meinte, man werde prüfen müssen, ob das Verschießen von Gummigeschoßen bei Dreijährigen wirklich "gesetzlich einwandfrei" sei.

Ein "Tötungsgerät"

"Kriegsspielzeug ist nachgebildetes Tötungsgerät, das die Vernichtung des Gegners zum Ziel hat. In Kinderhänden haben Waffen besonders brisante Symbolkraft." Die Kinderfreunde Salzburg lehnen die Anpreisung von Kriegsspielzeug vehement ab. Rudolf Barkmann, Landesvorsitzender der Kinderfreunde Salzburg, sagte zu dem Fall, er sei "empört". Gerade in Zeiten von merkbar gestiegenem Aggressionspotenzial bei Kindern und Jugendlichen, von Amokläufen an Schulen in Finnland und Nordrhein-Westfalen und Berichten von Kindersoldaten in Dritte-Welt-Ländern seien derartige Produktionslinien "nicht akzeptabel".

Der Jagdausstatter aus Salzburg reagierte mittlerweile auf die massiven Vorwürfe und kündigte an, die Spielzeugwaffen aus dem Programm zu nehmen und darüber hinaus 40.000 Artikel auf Kindersicherheit überprüfen zu lassen und im Zweifel aus dem Programm zu nehmen.(APA, ker/Der Standard, printausgabe, 21.11.2007)