Für die meisten der Brände im Amazonas-Regenwald ist nach Ansicht des WWF-Experten Roberto Maldonado die Brandrodung verantwortlich.

Foto: WWF/Anton Vorauer
Dichte Qualmwolken überzogen im September die tropischen Regenwälder Amazoniens. Flughäfen wurden geschlossen, viele Häuser sind zerstört, zahlreiche Gebiete sind unpassierbar oder gesperrt. Schuld an dieser alljährlich wiederkehrenden Naturkatastrophe ist nach dem WWF-Tropenwaldexperten Roberto Maldonado die anhaltende Zerstörung der Wälder durch Brandrodung: "Die Feuer werden jedes Jahr zum Ende der Trockenzeit gelegt, wenn die Holzfäller ihr Werk vollendet und die wertvollsten Bäume abtransportiert haben. Dann wird alles dem Erdboden gleichgemacht und anschließend zu Plantagen für den Anbau von Soja oder Zuckerrohr oder zu Viehweiden umfunktioniert."

Besonders schlimm betroffen war der brasilianische Bundesstaat Mato Grosso. Maldonado kehrte gerade von einer WWF-Projektreise in den dortigen Nationalpark Juruena zurück. In den neun Tagen, die er in Brasilien verbrachte, brannte es in Mato Grosso genau 3.012 Mal: "Das Blätterdach war immer in dichten Qualm gehüllt, und die Luft war zum Atmen zu schwer, sodass wir unser Reiseprogramm nur eingeschränkt durchführen konnten."

Auch die Erhebungen des brasilianischen Instituts für Raumfahrtforschung INPE bestätigen, dass die Feuer unmittelbar mit der Regenwaldzerstörung zusammenhängen. Den Aufzeichnungen zufolge nimmt die Anzahl der Brandherde seit 2004 ab. Man geht davon aus, dass dies auch mit den sinkenden Entwaldungsraten Brasiliens zusammenhängt. Nach offiziellen Schätzungen wurden im Jahr 2006 rund 10.000 Quadratkilometer zerstört - das ist fast ein Drittel weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

"Point of no return" bald erreicht?

Doch Maldonado warnt davor, angesichts dieses Positivtrends den anhaltenden Druck auf die Tropenwälder zu verharmlosen. Nach wie vor rückt die "Entwaldungsfront" aus dem Süden und Südosten kommend in den Amazonas-Regenwald vor, um den weltweiten Hunger der Holz-, Soja-, Zucker- und Fleischindustrie zu stillen. Dadurch könnte in wenigen Jahrzehnten ein "Point of no return" erreicht sein.

Dann wird sich der Amazonas-Tropenwald - noch immer der größte der Welt - aufgrund des gestörten internen Wasserkreislaufs nicht mehr von selbst regulieren können und damit seine natürlichen Funktionen als riesiges Süßwasserreservoir, CO2-Speicher und Zentrum der Artenvielfalt unwiederbringlich verlieren.

Rettungsinitiative

"Selbst wenn wir derzeit eine Verringerung der Entwaldung am Amazonas erleben – fast 10.000 Quadratkilometer pro Jahr sind immer noch viel zuviel. Das entspricht der Fläche Kärntens", stellt Maldonado fest. Der WWF hat deshalb eine internationale Rettungsinitiative für den Amazonas gestartet, um ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen: Bis 2012 soll in Amazonien ein riesiges Schutzgebietsnetzwerk in der Größe Spaniens aufgebaut werden.

Innerhalb der nächsten Jahre wollen sich die Umweltschützer gemeinsam mit der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA-ICM außerdem dafür einsetzen, dass zum Beispiel bestehende Schutzgebiete durch nachhaltige Finanzierungsmodelle abgesichert werden. Dazu fand Anfang September in Sao Paolo auf Einladung des WWF und der deutsch-brasilianischen Handelskammer eine Konferenz deutscher und brasilianischer Unternehmen statt. (red)