Acht Tage nach Beginn des Eisenbahnerstreiks in Frankreich sind Regierung und Gewerkschaften zu ersten Gesprächen zusammengekommen. Arbeitnehmervertreter der Pariser Verkehrsbetriebe (RATP) setzten sich am Mittwoch mit der Unternehmensführung und Regierungsberatern an einen Runden Tisch, um über die geplante Abschaffung der Frühpension in Staatsbetrieben zu reden. Der landesweite Streik störte den Verkehr weiterhin. Unbekannte sabotierten mehrere Strecken des Hochgeschwindigkeitszuges TGV, "um die Wiederaufnahme des Verkehrs zu verhindern", wie die Bahn mitteilte.

Bahnchefin Anne-Marie Idrac sagte vor den Verhandlungen im Fernsehsender France 2, dass sie bei den Gesprächen "nicht knausrig" sein werde. Allerdings werde sie auch nicht "unverantwortlich" sein und die Entwicklungsmöglichkeiten des Konzerns beschneiden oder einen Ausgleich für die abzuschaffende Frühpension schaffen. In Medienberichten war zuvor von Ausgleichszahlungen bis zu 90 Millionen Euro pro Jahr für die Eisenbahner die Rede gewesen. Idrac sagte weiter, sie könne "nicht versprechen", dass der Verkehr nach einem Durchbruch bei den Gesprächen gleich wieder normal laufen werde.

Verkehr noch immer gestört

Obwohl nach Angaben der Bahn nur noch knapp jeder vierte Beschäftigte streikte, war der Verkehr am Mittwoch immer noch gestört. Von normalerweise 700 TGVs verkehrten nur 400, die Pendlerzüge im Großraum Paris fielen größtenteils aus. Auch der Bus- und U-Bahnverkehr in der Hauptstadt war weiterhin stark gestört.

Unbekannte legten unter anderem Signale lahm, wie die SNCF mitteilte. Ein Kabelbrand habe eine nach Westen gehende Hochgeschwindigkeitsstrecke unbefahrbar gemacht, die TGV-Züge hätten über das klassische Netz umgeleitet werden müssen. Der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Dominique Bussereau, verurteilte die Taten. Staatschef Nicolas Sarkozy habe "äußerste Härte" bei der Bestrafung der Täter gefordert, sagte er nach einer Kabinettssitzung. Gewerkschaftsführer bezeichneten die Saboteakte als "feige" und "untragbar".

Reform durchziehen

Sarkozy hatte sich am Dienstagabend entschlossen gezeigt, die Reform der Frühpension in den staatlichen Betrieben wie angekündigt durchzuziehen. Er wolle nicht, dass es bei einem solchen Konflikt "einen Sieger und einen Besiegten" gebe, sagte er bei einer Tagung der französischen Bürgermeister. Aber er bleibe "entschlossen bis zum Schluss", betonte der Staatschef. "Die Reform wird gemacht, dass keiner daran zweifle."

Die französischen Eisenbahner streiken seit Dienstag vergangener Woche, um gegen die Abschaffung der Frühpension zu protestieren. Derzeit können die Beschäftigten staatlicher Betriebe wie SNCF, aber auch der großen Energieversorger EDF und GDF teils schon mit 50 Jahren in Rente gehen. Sarkozy will ihre Renten an das übliche System angleichen und dafür sorgen, dass sie länger als bisher in das Pensionssystem einzahlen müssen. (APA)