Die Österreicher haben ihr Geld am liebsten sicher veranlagt und täglich verfügbar. Dafür nehmen sie auch Abstriche bei den Renditen in Kauf. Raiffeisen Capital Management will daher Garantiefonds und Absolute-Return-Produkte weiter forcieren.

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"Was beschäftigt die Österreicher beim Thema Geldanlage am meisten?", hat sich die Raiffeisen Capital Management (RCM) bei ihrer vierten Finanzmarktsstudie gefragt. Und bekam im Land der Sparbuch- und Bausparer eine wenig überraschende Antwort: Für 85 Prozent der von GfK Austria Befragten steht die Sicherheit der Anlageform im Vordergrund. Sie wollen Anlageprodukte mit keinem oder nur einem geringen Risiko, denn 81 Prozent der Studienteilnehmer meinen zudem, dass sie es sich nicht leisten können, beim Sparen und Veranlagen etwas zu riskieren. Hoch im Kurs steht auch die tägliche Verfügbarkeit des Ersparten. 80 Prozent der Befragten wollen am liebsten jederzeit auf ihr Geld zugreifen können. "Das Bedürfnis nach Sicherheit und täglicher Verfügbarkeit schlägt sogar den Wunsch nach möglichst hohen Erträgen", ist RCM-Geschäftsführer Andreas Zakostelsky verwundert.

Fondsbesitzer sind sich allerdings der Langfristigkeit ihres Investments bewusst, sie setzen aber ebenfalls auf Sicherheit. "Das erklärt auch, warum Garantiefonds seit Jahren florieren. Dass eine Garantie stets auch Performance kostet, wird dabei akzeptiert."

Vom Fonds-Neugeschäft der vergangenen drei Jahre seien immerhin 40 Prozent Garantieprodukte gewesen. "Ich glaube, dass weiter ein Viertel der neuen Fondsveranlagungen in Richtung Garantieprodukte gehen wird", meint der RCM-Chef. Zakostelsky will daher das RCM-Angebot an Garantieprodukten weiter ausbauen, schränkt aber ein: "Wir bringen Garantieprodukte nur, wenn es den Anlegern etwas bringt, also wenn ein überdurchschnittlicher Ertrag drin ist – denn erst dann rechnet sich die Garantie."

Absolute Return

Ab kommendem Frühjahr sollen Kleinanlegern auch mehr Absolute-Return-Produkte angeboten werden. Anders als bei Garantiefonds gibt es dabei keine Bankgarantie für das eingezahlte Kapital oder Höchststandsgarantien, sondern eine Begrenzung des Verlustrisikos. Anfang Oktober hat RCM allerdings mit dem "Raiffeisenfonds-Anleihen" einen Rentenfonds lanciert, dessen Verlustrisiko laut RCM de facto null ist.

Den laut Zakostelsky aber dennoch "wesentlich beratungsintensiveren Produkten" kommt entgegen, dass sich die österreichischen Anleger gern bei ihrem Bankberater über Anlageprodukte informieren. Dies gilt sowohl für Investmentneulinge wie für Anleger, die bereits Fondsanteile halten. Während sich Fondsbesitzer auch gerne im Internet, in Printmedien und bei unabhängigen Finanzberatern Informationen holen, vertraut die Gesamtbevölkerung laut der GfK-Befragung nach dem Bankberater eher Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten als Informationsquelle. Die finale Entscheidung über das Investment erfolgt dann bei beiden Gruppen aber selbstbestimmt.

Dass die Bereitschaft der Österreicher zu langfristigeren Veranlagungen langsam zunimmt, ist laut GfK-Chef Rudolf Bretschneider vor allem auf die Pensionsreform-Diskussion zurückzuführen: "Sie hat dazu beigetragen, dass man in längeren Anlagehorizonten denkt." Mit mehr Risikobereitschaft der heimischen Anleger könne man aber nicht so bald rechnen: "Mentalitäten ändern sich langsam und historische Prozesse in Gesellschaften wirken lange nach", so Bretschneider. (kol, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.11.2007)