Museumsplaner Bogner kritisierte: "In Albertina haben alle Sprechverbot."

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Graz – "Was aber schön ist, selig scheint es ihm selbst": An diese letzte Zeile des Gedichtes "Auf eine Lampe" von Eduard Mörike fühle sich der Kunsthistoriker und -kritiker Anselm Wagner erinnert, wenn er an die Rolle denkt, die Museumsdirektoren einst zu spielen hatten. Geld gab es sowieso, die heute beschworene Quote war egal, der Direktor war einer, "der seine Besucher persönlich kennt". Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Über das Profil, das ein Museumsleiter heutzutage haben sollte, diskutierte daher Gerfried Sperl im 19. vom STANDARD mitveranstalteten "Kunsthaus Jour fixe" in Graz mit Wagner, dem Kunsthistoriker und Museumsplaner Dieter Bogner, der Leiterin der Galerie im Taxispalais Innsbruck, Silvia Eiblmayr, und dem Kunsthaus-Chef Peter Pakesch.

Wer sollte eigentlich Museen in Österreich leiten? Kunsthistoriker oder Manager? Das wollte Sperl wissen, der auch gleich im "Wordrap" die Anwesenden abfragte, wofür sie etwa Belvedere-Direktorin Agnes Husslein, Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder oder Pakesch selbst halten. Dieter Bogner beschönigte in seinen Antworten nichts: Zum Profil von Pakesch meinte Bogner kurz "weder, noch", Husslein kommentierte er mit "sie versucht sich im Management", und zu Schröder konstatierte er: "Er gibt sich gerne das Image des Managers." Beides müsse man jedenfalls ein bisschen sein, darin waren sich alle einig.

Kollektives Gedächtnis

Doch auch von der Finanzierung und der "politischen Entscheidung, was mit öffentlichen Geldern gemacht wird", hänge ab, wie Direktoren ihre Arbeit versehen könnten, meinte Eiblmayr. Pakesch glaubte nicht, dass das so sein müsse: In der Schweiz etwa (Pakesch leitete einst die Kunsthalle Basel) seien Museen als Institutionen stärker als die politischen Zurufer. "Ein Museum ist ein gemeinsames Gedächtnis" – und habe in Österreich "wegen der schwierigen Geschichte Unterbrechungen".

Bogner wies daraufhin auf die Tradition der Bürgergesellschaft in der Schweiz hin, der bis heute ein vom Adel beeinflusstes Österreich gegenüberstehe: "Wer Minister bediente, hat auch was gekriegt". Bogner kritisierte nebenbei den Umgang der Albertina-Leitung mit Mitarbeitern: "In der Albertina haben alle auf Befehl von Schröder Sprechverbot." (Colette M. Schmidt / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.11.2007)