Foto: Galerie Mezzanin

Seit den 60ern kopierte Sturtevant (geb. 1930) die Arbeiten von Duchamp, Warhol, Rauschenberg oder Beuys. Heute gilt sie als wichtigste Vertreterinnen der Appropriation Art.

Lange bevor man die Konzepte von Originalität, Autorschaft oder Aura in der Kunst diskutierte, entwickelte Elaine Sturtevant ein Werk, das hauptsächlich im Kopieren männlicher Kollegen bestand:

1964 kopierte sie die "Flowers"-Siebdrucke von Andy Warhol, danach folgten viele Werke, die später in die amerikanische Kunstgeschichte eingehen sollten. Im Museum Moderner Kunst in Frankfurt, wo der Künstlerin erst 2004 eine Retrospektive gewidmet war, sah man Warhols "Marylin", ein "Hot Dog" von Roy Lichtenstein, Jaspers Johns’ berühmte Flaggen-Bilder, Fettstühle von Joseph Beuys, Anselm Kiefers bleiernes Jagdflugzeug und viele andere "Sturtevants".

In ihrer dritten Einzelausstellung in der Galerie Mezzanin zeigt die Künstlerin nun zwei Videoinstallationen, die man nicht mehr mit Aneignung in Zusammenhang bringt: Auf einer rotierenden Plattform steht ein Projektor, der Bilder von einem laufenden Hund an die Wände projiziert. Durch die Fenster hindurch wandern die Bilder zwischendurch auch über die Fassaden der gegenüberliegenden Häuser, wodurch die Künstlerin das Verhältnis von innen und außen thematisiert. Die zweite Arbeit der Künstlerin besteht aus vier Monitoren, auf denen sie die Bilder von dem laufenden Hund mit dem Auge eines Huskys und einem quietschenden Stofftier in Zusammenhang bringt.

Sturtevant bringt die skurrile Kombination mit "unserer Cyberwelt des Exzesses" in Verbindung – das Problem ist nur, dass sich in dieser mittlerweile weit Komplizierteres tut. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.11.2007)