Wien - Wie Gene die körperliche Leistungsfähigkeit beeinflussen, ist am Freitag und Samstag Thema eines sportmedizinischen Symposiums im Kleinen Festsaal der Universität Wien. Der logische Titel: "Genes and Physical Performance - Impact of Genes on Sport, Performance and Health". Und die grundsätzliche Frage: Hat jeder Mensch das Zeug zum Spitzensportler, wenn er fleißig übt, oder sind es die Gene, die von vornherein festgelegt haben, ob einer es bis ganz nach oben schafft?

Der Wunsch der Wissenschaft, das humane Erbgut zu erforschen, hat auch vor dem Leistungssport nicht Halt gemacht. In den vergangenen Jahren haben Forscher eine Reihe von "Sportgenen" entdeckt, die für besonders hohe Ausdauer- oder Kraftleistungen verantwortlich gemacht werden. Mittlerweile gibt es verschiedene Testverfahren, die Klarheit verschaffen sollen darüber, ob man das Talent zum Spitzensportler hat oder nicht. Allerdings: "Das genetische Potenzial allein macht noch niemanden zum Leistungssportler", erklärt die Wiener Molekularbiotechnologin Barbara Wessner. Sie wird ihre Bedenken auch am Freitag im Rahmen des Symposiums äußern.

Besonders brisant in diesem Zusammenhang ist Gendoping. Athleten, die von Natur aus nicht über olympiasiegtaugliche Gene verfügen, können durch illegale Manipulation ihres Erbguts vielleicht schon bald über ihre Grenzen hinauswachsen. Im Gegensatz zu den konventionellen Dopingmethoden bringt Gendoping die körpereigenen Zellen dazu, leistungsfördernde Substanzen wie Erythropoetin (EPO) oder Wachstumshormone selbst zu produzieren. Vorweg wird neues Erbmaterial in die Zellen eingeschleust.

Die Auswirkungen für den Sportler selbst sind nicht absehbar. Beunruhigt ist Günter Gmeiner, der Leiter des bei der Welt Anti Doping Agentur (WADA) akkreditierten Dopingkontrolllabors in Seibersdorf, derzeit aber nicht: "Ich bezweifle, dass Gendoping heute schon Realität ist, denn gentechnische Methoden entwachsen eben erst ihren Kinderschuhen." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 22. November 2007, Regina Philipp)