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Der Verbund will Anteile an österreichischen Energieversorgern übernehmen, sofern er erwünscht ist. Parallel dazu will man expandieren, im Inland genauso wie im Ausland.

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Wien/Graz – Der Verbund hat in Sibirien kalte Füße bekommen und den Rückzug angetreten. Zusammen mit einem russischen Partner wollte man ein Wasserkraftwerk am Fluss Angara mit einer Leistung von 1000 Megawatt (MW) errichten. Die Kosten allein für den Verbund hätten fast eine Milliarde Euro betragen. "Das war uns zu riskant," sagte Verbund-Chef Michael Pistauer vor Journalisten. "Das Klumpenrisiko wäre zu groß gewesen, wir haben die Gespräche abgebrochen.2 Dennoch will der Verbund kräftig investieren. Bis 2015 sollen mindestens 6,7 Mrd. Euro in die Errichtung von neuen Erzeugungskapazitäten fließen, davon 2,8 Mrd. Euro in Österreich. Das hat der Aufsichtsrat von Österreichs größtem Stromerzeuger am Mittwoch einstimmig gebilligt.

Streit um Mellach geht weiter

Beim geplanten Bau des Verbund-Gaskraftwerks Mellach (bei Graz) geht er Streit indes weiter. Das Konsortium aus Mitsubishi-Konzern und der A-Tec des Industriellen Mirko Kovats wurde laut Verbund ausgeschieden. Kovats aber will sich wehren. Die Verbund-Aktie gehörte am Donnerstag zu den Hauptverlierern im ATX. Das neue Strategiepapier des Verbund sieht eine Ausweitung der Produktionskapazitäten bis 2015 von derzeit 15.000 MW um 8000 MW vor. Zum Vergleich: das Kraftwerk Wien/Freudenau kommt auf 180 MW. Der Löwenanteil wird auf Projekte in der Türkei, Italien und Frankreich entfallen, wo der Verbund Joint-ventures mit lokalen Unternehmerfamilien betreibt. Bis Sommer 2008 sollen sämtliche Auslandsbeteiligungen in einer eigenen Gesellschaft (Verbund International) gebündelt werden mit der Option, diese langfristig an die Börse zu bringen.

Interesse an EVN-Anteil

In Österreich ist Pistauer an Zukäufen bzw. Beteiligungen an Versorgern interessiert, etwa am 36-Prozent-Paket der deutschen EnBW an der EVN. Mit den Deutschen gesprochen habe man darüber aber bisher nicht, sagte Pistauer. Anteile kaufen würde man nur dort, wo man erwünscht sei. Sollte der Verbund tatsächlich die EnBW-Anteile bei der EVN übernehmen, könnte dies der erste Mosaikstein eines weiteren Energie-Deals sein. EnBW könnte im Gegenzug, über ein Tauschgeschäft die Anteile des Verbund an der Estag übernehmen. Dabei ist zu beachten: Im Hintergrund agiert der französische Energiekonzern EdF, der rund 50 Prozent an EnBW hält. Die EdF ist nicht nur maßgeblicher Eigentümer der EnBW, sondern mit 25 Prozent auch an der Estag beteiligt. Über den Umweg Verbund-EVN könnte die EdF ihre Präsenz in der Steiermark festigen und womöglich die zur Disposition stehenden 24 Prozent Landesanteile aufgreifen. Dem steht allerdings noch ein Veto des Landtags entgegen, der sich bisher gegen eine weitere Veräußerung von Landesanteilen am Landesenergiekonzern an die Franzosen ausgesprochen hat.(Günther Strobl, Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.11.2007)