Wien - Drei Stunden vor einer Berufungsverhandlung wegen Vergewaltigung an einem 14-jährigen Mädchen hat heute der mutmaßliche Schwerverbrecher Deniz A. (29) in seiner Zelle in der Justizanstalt Salzburg offensichtlich Selbstmord verübt.

Fünf Vergewaltigungen

Gegen den türkisch-stämmigen Deutschen waren zwölf Strafverfahren anhängig - darunter fünf Vergewaltigungen und mehrere Raubüberfälle. Deniz A. hat am 2. April dieses Jahres mit seinem Sprung aus einem Fenster der geschlossenen Abteilung der Salzburger Christian-Doppler-Klinik großes Aufsehen erregt. Der Mann verhielt sich in den Wochen zuvor ähnlich wie ein Wachkoma-Patient, konnte kaum gehen und sprechen und musste gewickelt werden. Die Vermutung lag nahe, dass er den "psychogenen Stupor" nur vorgetäuscht hat.

Die ersten sechs Tage nach seiner letzten Verhaftung am 27. September wurde der als "sehr gefährlich" eingestufte Mann in einer videoüberwachten Zelle untergebracht. Danach habe es aber keine Anhaltspunkte mehr für eine Verlängerung der gesonderten Unterbringung gegeben, betonte die Leiterin der Justizanstalt.

Notruf beim Nachtdienst

Als er sich heute um 6.12 Uhr über die Notrufanlage beim Nachtdienst meldete, wies er zwei Schnittwunden am linken Unterarm auf. Ein Justizwachebeamter leistete zusammen mit einem zweiten Beamten Erste Hilfe. Sie legten dem Verletzten einen Druckverband an. Mit einem Rettungswagen wurde er um 6.50 Uhr ins UKH eingeliefert, wo er um 7.15 Uhr starb.

Umstände noch nicht geklärt

Die genauen Umstände des Todes seien noch nicht geklärt. Der 29-Jährige habe sich alleine in seiner Zelle aufgehalten. "Im Haftraum fanden sich keine Hinweise auf einen Selbstmord", erklärte Anstaltsleiterin Major Karin Göll. "Die Schnittverletzungen waren eher oberflächlich, er hat auch nicht viel Blut verloren. Wir haben nichts gefunden und können daher nicht sagen, womit er das gemacht hat." Die gerichtliche Obduktion der Leiche wurde angeordnet.

Schon einmal eine Schnittwunde zugefügt

Deniz A. habe Essbesteck und Einwegrasierer verwenden dürfen. "Medikamente mit toxischer Auswirkung bekam er nicht, pflanzliche Beruhigungsmittel schon." Der Häftling, der nicht viel redete, stand in psychiatrischer Behandlung, einen Verdachtsmoment für Selbstmord habe es aber nicht wirklich gegeben, erklärte Gröll. Am 12. Oktober hat sich der Häftling allerings schon einmal eine Schnittwunde zugefügt, wie bekannt wurde.

Wegen seines Ablebens "ist nun das gesamte Strafverfahren gegen ihn beendet", erklärte der Sprecher des Oberlandesgerichtes Linz, Günther Winsauer.(APA)