Die beiden größten Fernsehgruppen in Italien, RAI und Mediaset um den Medien-Tycoon Silvio Berlusconi, sollen in den vergangenen Jahren eine geheime Allianz geschlossen haben, die angeblich auch die politische Berichterstattung zugunsten des Ex- Regierungschefs beeinflusst hat. Dies hätten abgehörte Telefongespräche von RAI- und Mediaset-Managern ergeben, hieß es in Rom.

So sollen Berlusconi und seine Mitarbeiter in den Jahren 2004 und 2005, als der TV-Zar noch als Ministerpräsident im Amt war, eine okkulte Strategie mit Spitzenvertretern der RAI ausgearbeitet und deren Programme und politische Berichterstattung zutiefst beeinflusst haben. Zwischen dem damaligen Chefredakteur der Tagesschau von RAI 1, Clemente Mimun, und seinem Amtskollegen bei den Mediaset- Nachrichten TG 5, Carlo Rossella, seien täglich Informationen ausgetauscht und Vereinbarungen für eine Berlusconi- freundliche Berichterstattung getroffen worden, geht aus den Abhörungen hervor.

Auch der Ex-Direktor von RAI 1, Fabrizio Del Noce, sei mit im Bund gewesen. Mimum hatte kürzlich die RAI verlassen und Rossella als Chefredakteur von TG 5 abgelöst. Die Telefongespräche der TV-Manager und Chefredakteure wurden im Rahmen einer Untersuchung über die Pleite der Meinungsforschungsgesellschaft HDC unter Kontrolle eines ehemaligen Vertrauten Berlusconis, Luigi Crespi, aufgezeichnet und teilweise von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlicht.

Nach dem "Repubblica"-Bericht leitete die RAI eine interne Untersuchung ein. Walter Veltroni, Chef der stärksten Regierungspartei PD, sagte, der Fall beweise, dass eine Reform des Staatsfernsehens dringend notwendig sei. Mediaset wies die Vorwürfe entschieden zurück und kündigte eine Klage wegen Verleumdung an. Die Forza Italia sprach von einer neuen Kampagne zur Vernichtung von Berlusconis Mediengesellschaft. (APA)