Wien - In Österreich ist der Handel mit nachgemachten Arzneien explosionsartig angestiegen. Wurden 2005 noch 55 Fälle registriert, waren es 2007 bereits 786. Das Internet gilt als Hauptumschlagplatz, wo Millionenumsätze gemacht werden aber auch Konsumenten immer häufiger Opfer der Produktpiraterie werden.

Die Anzahl der umgeschlagenen Medikamente hat sich verdreitausendfacht, erklärte Finanzminister Wilhelm Molterer, gemeinsam mit Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP). Nicht nur in Österreich, auch innerhalb der EU haben sich die Fälle, bei denen gefälschte Arzneimittel gemeldet wurden, vervielfacht. Im Moment beträgt der weltweite Jahresumsatz mit gefälschten Präparaten rund 30 Milliarden Euro, bis 2010 soll sich diese Zahl verdoppelt haben. Gegen die Fälscher und Schmuggler soll nun vorgegangen werden.

700 neue Medikamente werden pro Jahr in Österreich neu zugelassen, insgesamt seien es derzeit 15.644, erklärte Kdolsky. Die Medizinerin warnte die Verbraucher vor dem Gebrauch von Arzneien, die außerhalb von Apotheken, Ambulanzen und Spitälern erworben wurden. Gefälschte Medikamente stammen oft aus Dritteweltländern, sind meist über- oder unterdosiert, verunreinigt und können sogar giftige Substanzen enthalten, die zum Tod führen können.

Nur die intensive Zusammenarbeit der Behörden, laufende Schulungen, die neueste Software, Vernetzung und permanenter Informationsaustausch könnten dieses Problem eindämmen, betonte Molterer: "Dabei brauchen wir aber europäische Antworten", die Aktivitäten eines einzelnen Landes seien nicht wirkungsvoll. Der Finanzminister appellierte an die Konsumenten, "zuerst zu schauen und dann zu kaufen". Neben der wirtschaftlichen Situation und der Reputation der Pharmaunternehmen stehe vor allem die Gesundheit der Verbraucher auf dem Spiel. (APA)