Wien - Unklarheit herrscht derzeit über die Rechtmäßigkeit des von den ÖBB in Kooperation mit der Gemeinde Wien auf dem Gelände des künftigen Zentralbahnhofs ausgelobten Architektur- Expertenverfahrens. Da die beiden Gutachten, die der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH angeblich bescheinigen, rein privatwirtschaftlich agieren zu dürfen, von den ÖBB selbst unter Verschluss gehalten werden, will nun Georg Pendl, Präsident der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, seine Jurorentätigkeit zurücklegen.

In einer Anfrage an die ÖBB verlangt er: "Wegen der aufgetretenen Zweifel bezüglich der Frage, ob der Auslober des gegenständlichen Verfahrens dem Bundesvergabegesetz unterliegt oder nicht, ersuche ich um rechtliche Aufklärung und gegebenenfalls um Übermittlung diesbezüglicher Expertisen." Der Wettbewerb, an dem sich lediglich acht Architekturbüros beteiligen dürfen, befasst sich mit der Bebauung entlang des Gaudenzdorfer Gürtels auf dem Gelände des jetzigen Südbahnhofs und beinhaltet unter anderem ein hundert-Meter-Hochhaus, in dem die ÖBB-Zentrale untergebracht werden soll. Die Jurierung wäre mit Mitte Jänner festgesetzt.

Pendl: "Sollte nicht zweifelsfrei bewiesen werden, dass es sich hier um ein rein privatrechtlichen Gesichtspunkten unterliegendes Verfahren handelt, sehe ich mich leider veranlasst, meine Mitarbeit in der Jury zurückzulegen, da ich nicht verantworten kann, dass ein beispielgebendes Verfahren vorliegen könnte, von dem der überwiegende Teil der ArchitektInnenschaft ausgeschlossen bleibt." (uwo/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2007)