Wien – Es sind nur wenige Bilder, die den zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa ein Jahr alten Luca in den Armen einer Krankenschwester zeigen: Seit der ORF zwei davon in den Hauptnachrichten Donnerstagabend in die heimischen Wohnzimmer sendete, dürften Aufregung und Empörung über die Untätigkeit der Behörden in diesem Fall aber wieder kräftig wachsen. Die Fotos belegen das dramatische Ausmaß der Misshandlungen.

Auf einem sieht man das nackte Kind von der Seite, mit blauen Flecken an Arm und Schulter. Ein anderes zeigt das Gesäß des Babys, offenkundig von Schlägen total gerötet und wund. Laut ORF seien die Bilder anonym per E-Mail aus Niederösterreich zugespielt worden und im Krankenhaus Mödling entstanden, wo der Bub im Juli nach ersten Verletzungen behandelt worden war. Es soll auch Aufnahmen geben, die noch schlimmere Verletzungen zeigen.

Der kleine Luca war am 3. November in einem Wiener Krankenhaus an einem Hirnödem gestorben. Sein Fall ließ die Emotionen hochgehen, weil gleich zwei Ärzte und zwei verschiedene Kliniken – Mödling und Innsbruck – den "dringenden Verdacht auf Kindesmisshandlung" lange zuvor gemeldet haben. Die zuständigen Jugendwohlfahrtsbehörden beließen den Buben allen Warnungen zum Trotz jedoch bei seiner Mutter und ihrem Freund. Sie werden der Misshandlung dringend verdächtigt, bestreiten dies aber. Der Fall bestätigte, dass bei den Kriterien des Vorgehens der Behörden gravierende Mängel bestehen. Der leibliche Vater des Kindes erhob schwere Vorwürfe.

Der Bezirkshauptmann von Mödling, Hans Nistl, hatte laut ORF keine Kenntnis von den Fotos. Die Jugendwohlfahrt gab keine Stellungnahme ab. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2007)