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Der Chef der Partei Neue Generation, Gigi Becali, lässt sich im Stadion Ghencea von einem Priester segnen.

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"Ich, Gigi Becali, schwöre allen Rumänen und Gott, dass ich Rumänien scheinen lassen werde wie die heilige Sonne des Himmels", ist Gigi Becalis Wahlspruch. Der Mann, der sich für sein prunkvolles Büro in Blattgoldmöbeln und mit Stuckdecke als Heiliger Johannes in Öl porträtieren ließ und vor laufender Kamera gern mit der Brechstange seinen Mercedes-Maybach malträtiert, befindet sich auf dem ersten Platz einer von der Koalition für ein sauberes Parlament erstellten "schwarzen Liste" "unwählbarer" Kandidaten.

Die Wahlkampagne für die am Sonntag in Rumänien erstmals stattfindende Wahl der Europaparlamentarier wird allseits als inhaltslos kritisiert. Und der Ultranationalist, Fast-Milliardär und Vorsitzender der "Partei Neue Generation" (PNG) Becali ist ein gutes Sinnbild dieser tiefen Krise der rumänischen Politik.

Trotz zahlreicher laufender Gerichtsverfahren wegen Bestechung, Finanzverbrechen und Verleumdung wurde er bisher noch nicht verurteilt. Laut eines Rankings der Zeitschrift Capital ist Becali der drittreichste Mann Rumäniens. Er ist Hauptaktionär des Fußballklubs "Steaua", erfolgreicher Immobilienspekulant und Industrieller. Neuerdings will er auch mit dem US-amerikanischen Milliardär Donald Trump Geschäfte machen.

Im Jahr 2000 stieg der Fußballmagnat, der sich gerne vor seiner neobarocken Villa im Zuckerbäckerstil oder in seinem ikonenüberfüllten und beweihräucherten Büro abbilden lässt, auch in die Politik ein. Er gründete die PNG, als dessen Vorsitzender er 2004 bei den Präsidentschaftswahlen kandidierte. Die damals erreichten 1,7 Prozent der Wählerstimmen konnte er inzwischen durch zahlreiche populistisch-wohltätige Aktionen deutlich aufbessern. Zeitweilig war er nach dem Staatspräsidenten Traian Basescu der zweitpopulärste Politiker Rumäniens.

Religiöse Wortfülle

Becali, Sohn eines Schafhirten, der durch seine zuweilen fast fanatisch angehauchte religiöse Wortfülle vor allem bei der strenggläubigen orthodoxen Bevölkerung Rumäniens punkten konnte, stieg in den Umfragen, nachdem er mehrere Millionen für Kirchenbauten spendete und nach den Überschwemmungen, die in den letzten Jahren Rumänien immer wieder heimsuchten, ganze Dörfer für die Betroffenen bauen ließ. Das ostrumänische Vadu-Rosca ist seither als Becali-Dorf bekannt. Becali wurde durch einen dubiosen Landaustausch mit der rumänischen Armee im Jahr 1998 reich. Er bezeichnet sich als Nachfolger der antisemitischen und faschistischen Eisernen Garde, die von 1927 bis zum Anfang des Zweiten Weltkrieges in Rumänien agierte. Becali fordert auch die Heiligsprechung des Gründers der Garde, Corneliu Zelea-Codreanu.

Becali vergleicht sich mit einem "Apostel" der rumänischen Politik, der er den Teufel der Korruption austreiben will. Er hat aber auch weltlichere Vorbilder, wie etwa den italienischen Ex-Premierminister Silvio Berlusconi. Als Kandidat für das Europäische Parlament wirbt er mit dem Wahlspruch "Im Dienste des Kreuzes und der rumänischen Nation". Aktuelle Umfragen platzieren ihn, nach einem vierprozentigen Verlust seit September, nun bei etwa 20 Prozent. Sollte seine Partei bei der EP-Wahl diesen Prozentsatz erreichen, erhält sie sieben der 35 Sitze, die auf Rumänien anfallen. Insgesamt treten 13 Parteien und ein unabhängiger Kandidat an. Rumänien ist unter den neuen Mitgliedsstaaten nach Polen die zweitstärkste Europa-Parlamentsfraktion. (Laura Balomiri aus Sibiu/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2007)