Er: ein prominenter Wiener Arzt. Sie: eine Kollegin. Beide: glücklich (?) verheiratet. Beide: seit Jahren miteinander liert. Er: "Im März haben wir noch eine Art Verlobung gefeiert, obwohl das eigentlich nicht ging."

Im April war es aber vorbei mit dem heimlichen Glück. Donnerstag sollte im Wiener Landesgericht geklärt werden, was sich in einem Lokal am Abend des 25. April und den folgenden Tagen ereignete.

Sie: "Ich sagte ihm, ich will die Beziehung beenden. Er hat mein Handy genommen und kontrolliert, mit wem ich telefoniert habe. Ich wollte gehen, er folgte mir, hat mir ins Gesicht geschlagen, mich an den Oberarmen gehalten und hat gegen meine Beine getreten."

Er: "Als ich im Lokal eine SMS bekam, kontrollierte sie mein Handy, und da habe ich ihres kontrolliert. Da sah ich, dass sie neben mir mehrere Männer hatte. Als ich sagte, dass ich keine mindestens dreigleisige Beziehung führen möchte, ist der Streit massiv losgegangen. Es stimmt, dass ich sagte: Ich denke nicht daran, mit einer Hure eine Lebensbeziehung einzugehen. Sie schlug mit der Tasche nach mir, das habe ich abgewehrt. Die Tasche fiel zu Boden, und ich habe dagegen getreten."

Sie: "Als mir ein Passant zu Hilfe kam, bin ich zum Auto gelaufen und habe mich eingesperrt. Er hat sich losgerissen, kam zum Auto und hat gegen die Türe getreten."

Er: "Für mich war das normal, dass man auch nach einem Streit gemeinsam wegfährt. Wir hatten ja vereinbart, dass wir die Nacht gemeinsam verbringen würden. Als ich an der Autotüre stand, sah ich den Verkehr auf der Wienzeile reindonnern, habe Panik bekommen, bin zurückgesprungen, drehte mich um und dabei bin ich mit dem Fuß am Auto angekommen."

Am nächsten Tag noch eine Begegnung in ihrem Stammcafé. Sie: "Er kam rein und wollte mit mir reden. Ich sagte: 'Ich hab dir nichts zu sagen.' Da nahm er mein Handy und lief hinaus. Als ich ihm folgte, hat er mir gegen den Kopf geschlagen, mich an den Oberarmen gehalten, gegen die Beine getreten und gegen den Bauch geschlagen."

Er: "Ich hatte das Handy genommen, das ich ihr geborgt hatte, und ging. Mein Instinkt war: weg. Sie kam mir nach, hat mich geschlagen. Als immer mehr Menschen kamen, hat sich in mir eine enorme Drucksituation aufgebaut. Ich hatte sie losgelassen, sie hat sich an mir festgehalten, und als ich mich wegdrehte, ist sie in eine Hauswand hinein, wie ein Wasserskifahrer."

Ein Zeuge sah eine Schlagbewegung seinerseits, sah ihre Haare fliegen. Sie hatte blaue Flecken, Abschürfungen, hat noch eine Narbe am Schienbein und war wegen eines posttraumatischen Syndroms in psychiatrischer Behandlung. Er hat sich schließlich entschuldigt und zahlte im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung 15.000 Euro. (Roman David-Freihsl/Der Standard, Printausgabe, 23.11.2007)