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STANDARD: Zu den Creative Industries (CI) zählt man jene Unternehmen, die sich im weitesten Sinn mit Kulturproduktion beschäftigen. Ist das mehr als ein Nischenbereich?

Thun-Hohenstein: Mit Sicherheit. Man kann damit all jene Bereiche unter einen Hut bringen, die mit verschiedenen Kunst- und Kultursparten zu tun haben. Die Wortschöpfung ist neu, das Phänomen aber alt. Bisher hat es dafür an Bewußtsein gefehlt. Standard: Von wie vielen Betrieben sprechen wir? Thun-Hohenstein: Wir gehen in Wien von 18.000 Unternehmen mit 107.000 Beschäftigten aus.

STANDARD: Das ist eine großzügige Rechnung.

Thun-Hohenstein: Die Frage ist, wo werden die Grenzen gezogen? Rechnet man im Bereich der Mode etwa auch die Kürschner zu den CI? Relevant ist, dass die Wachstumszahlen in diesem Bereich deutlich höher sind als in den restlichen Wirtschaftsbereichen.

STANDARD: Was möchten Sie für diese Unternehmen tun? Für den Kunst- und Kulturbereich gibt es bereits genügend Interessensverbände.

Thun-Hohenstein: Es gibt aber nicht genug Fördermöglichkeiten für jene Bereiche, die im Umfeld davon agieren. Man muss sich zum Beispiel überlegen, wie man aufregendes neues Design adäquat umsetzen und vermarkten kann.

STANDARD: Wenn die Produkte schon so spannend sind, warum setzen sie sich nicht von alleine am Markt durch?

Thun-Hohenstein: Sie werden sich wundern, aber selbst in den USA ist vor kurzem ein Buch mit der Forderung erschienen, die Creative Industries zu fördern. Kreative wandern ab, wenn die Lebens- und Produktionsbedingungen schlecht sind. Das ist ein ungeheurer Verlust für eine Stadt.

STANDARD: Ist die Förderung der CI eine Art Tourismusförderung?

Thun-Hohenstein: So würde ich es nicht sagen, aber man ist viel eher bereit eine Stadt zu besuchen, von der wichtige kreative Impulse ausgehen. Mit seiner Nachbarschaft zu Bratislava oder Prag hat Wien gute Chancen, in diesem Kreativpool eine führende Rolle einzunehmen. Wir müssen es schaffen, Kreative von anderswo nach Wien zu locken.

STANDARD: Was werden Sie konkret machen?

Thun-Hohenstein: Die einzelnen kreativen Szenen müssen besser miteinander vernetzt werden. Das Thema Internationalität wird eine große Rolle spielen. Wir befinden uns nicht mehr im Informationszeitalter, sondern im Empfehlungszeitalter. Daran müssen wir global arbeiten. (Stephan Hilpold und Marijana Miljkoviæ/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2007)