Linz - Der Zusammenstoß zweier ÖBB-Züge vom Montagmittag bei Traun (Bezirk Linz-Land) in Oberösterreich war die tragische Folge menschlichen Versagens. Sowohl der Lokführer als auch der Begleiter des Regionalzuges hätten nach dem vorläufigen Unfallbericht Fehler begangen, erklärte Ruth Werderitsch von den ÖBB. Der Zugbegleiter habe die Garnitur zu früh frei gegeben, der Lokführer ein Haltesignal übersehen. Der Sachschaden konnte Dienstag noch nicht genau beziffert werden, er dürfte aber in die Millionen gehen, so Werderitsch. Zweifaches Fehlverhalten habe bei dem Unfall zusammengespielt, so Werderitsch. Zuerst habe der Zugbegleiter fälschlicherweise die Regionalgarnitur zur Abfahrt aus dem Bahnhof frei gegeben. Eigentlich hätte er aber das Zeichen des Bahnhofsvorstehers abwarten müssen. Beim Losfahren habe dann der Lokführer ein rotes Ausfahrtsignal übersehen. Über die Ursache könne man derzeit nur spekulieren, vielleicht sei der als sehr erfahren geltende Mann von der Sonne geblendet worden. Lokführer erlitt schweren Schock Der Lokführer des Regionalzuges erlitt bei dem Zusammenstoß einen schweren Schock und wird psychologisch betreut. Vorher sei ihm noch nie so ein Fehler passiert, sagte Werderitsch. Der 45-jährige Lokführer des Eilzuges wurde beim Unfall schwer verletzt. Der endgültige Unfallbericht soll in zwei bis drei Wochen vorliegen. 48 Verletzte - Hundertschaft von Helfern im Einsatz Der Zusammenstoß hatte sich am Montag rund 500 Meter vom Bahnhof Traun entfernt ereignet. Der Regionalzug "3955" wurde von einer Lok gerade mit 20 bis 30 km/h aus dem Bahnhof gezogen, als er vom entgegen kommenden Eilzug "1647" aus Salzburg mit rund 40 km/h frontal gerammt wurde. Der Eilzug wurde von einer Lokomotive geschoben. 48 Personen wurden verletzt, sechs davon schwer. Eine Hundertschaft Helfer stand an der Unglücksstelle im Einsatz. Am Dienstag dauerten die Aufräumungsarbeiten noch an. Die beiden Züge wurden mit einem Kran geborgen. Sie würden nun in die Remise gebracht, um zu überprüfen, ob eine Reparatur möglich sei. Über Schäden am Gleiskörper könnten vorerst noch keine Aussagen gemacht werden, so Werderitsch. In dem Umstand, dass sich der Unfall kurz vor dem Beginn einer Lärmschutzwand ereignet hatte, sehen die ÖBB kein Problem. Selbst wenn der Zusammenstoß hinter einer solchen Wand passiert wäre, würde diese zwar "eine gewisse Einschränkung darstellen", doch "alle Einsatzkräfte sind Profis und auf eine solche Situation durch ihre Ausbildung auch vorbereitet", meinte Werderitsch. "Lärmschutzwände gebe es ja außerdem genauso bei Autobahnen oder Bundesstraßen." (APA)