Warschau - Der halbstaatliche polnische Treibstoff-Konzern PKN Orlen hat eine ambitionierte Strategie für die kommenden fünf Jahre vorgestellt. Orlen will bei der Benzin-Herstellung Marktführer nicht mehr nur in Polen sein, sondern diese Position auch in Tschechien und Litauen erreichen. Dabei soll die Übernahme der Raffinerie Mazeikiu in Litauen (2006) und der Raffinerien der tschechischen Unipetrol (2005) helfen. Die Erträge vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sollen von 4,7 Mrd. Zloty (1,275 Mrd. Euro) im vergangenen Jahr auf 11 Mrd. Zloty steigen.

Die Hälfte der Steigerung soll durch Investitionen von 4,6 Mrd. Zloty in die Raffinerie Mazeikiu erreicht werden - das ist ein Fünftel der geplanten Gesamtinvestitionen. Der Ausbau des Tankstellennetzes soll 3,2 Mrd. Zloty kosten. Rund 1.000 neue Tankstellen sind geplant - mit der deutlichsten Steigerung in Deutschland von derzeit rund 200 auf 750. Auch in der Ukraine will Orlen aktiver werden als bisher.

Präsentation der Strategie

Bei einer Pressekonferenz versicherte der Präsident von Orlen, Piotr Kownacki, die Präsentation der Strategie habe nichts damit zu tun, dass der größte einheimische Konkurrent Lotos, an dem der Staat ebenfalls Anteile besitzt, auch gerade einen Ausblick auf die kommenden fünf Jahre gab. Der kleinere der beiden Benzin-Konzerne plant dabei vor allem den Ausbau der Raffinerie in Gdansk (Danzig). Geplante Investitionen hier: 5,6 Mrd. Zloty. So will Lotos zwar nicht beim Tankstellen-Netz, dafür aber beim Benzin-Großhandel mit Orlen auf Augenhöhe konkurrieren.

Vor allem Orlen ist deshalb weiterhin davon überzeugt, dass eine Fusion der Unternehmen sinnvoll wäre. "Es ist schwer, Argumente zu finden, die den Sinn einer Konsolidierung widerlegen", sagte Orlen-Chef Kownacki. Alle Analysen deuteten auf erhebliche Einsparungen im Falle eines Zusammenschlusses hin, so der Manager. Das sieht aber nicht nur Lotos anders, sondern auch der neue Schatzminister Aleksander Grad von der rechtsliberalen Partei "Bürgerplattform" (PO). "Das muss eine strategische Entscheidung beider Gesellschaften sein, die aus Markterfordernissen entsteht", sagte Grad vor kurzem in einem Radiointerview.

Die Vorgängerregierung der rechtskonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" von Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski hatte eine Fusion auch aus politischen Erwägungen geplant. Der Staat solle so seinen Einfluss auf die Benzinversorgung ausbauen und Energiesicherheit gewährleisten, hieß es. Allerdings hätte der Staat an einem fusionierten Benzin-Konzern nach dem gegenwärtigen Stand der Eigentumsverhältnisse keine Mehrheitsbeteiligung. (APA)