Die bürokaufmännischen Arbeitsplätze sind bei den Jugendlichen die beliebtesten. Derzeit werden drei IKADUKs hier betreut.

Foto: wirtschaft integriert

Mit Kräutern machten sich die Jugendlichen auf die Suche nach potenziellen Arbeitgebern.

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"Integrationshilfe von der anderen Seite", beschreibt Daniela Jezdinskà ihre Aufgabe als Projektleiterin von "wirtschaft integriert". Denn Unterstützung für sozial benachteiligte Jugendliche für die berufliche Integration gibt es bereits zahlreich, was bisher fehlte, war die Unterstützung für die Unternehmen.

Ich Kann Du Kannst

Motivation für das Projekt "wirtschaft integriert" war eine Studie der Fachhochschule Wien und der Organisation "Potenzial Jugend" unter österreichischen Unternehmen im Jahr 2005. Laut den Ergebnissen sind die Firmen grundsätzlich bereit, förderbedürftige Jugendliche einzustellen – was sie davon bisher abhielt waren fehlende Informationen und viele Unklarheiten, vor allem bei arbeitsrechtlichen Fragen.

Migrationshintergrund

Genau da setzt "wirtschaft integriert", das Anfang 2007, gestartet ist, an: "Wir sehen uns als Schnittstelle zwischen den Unternehmen und den IKADUKs", so Jezdinskà. IKADUKs ("Ich Kann Du Kannst"), so nennen die ProjektmitarbeiterInnen die Jugendlichen, die von Clearing- und Qualifikationsprojekten des Sozialamtes betreut werden. "Darunter sind junge Menschen, die in der Schule nicht ausreichend gefördert wurden oder Probleme wegen ihres Migrationshintergrunds haben", erklärt die Projektleiterin. Allein in Wien gebe es etwa 1000 IKADUKs.

Denken wie die Wirtschaft

"wirtschaft integriert" hilft den Jugendlichen, der "Misserfolgsspirale" zu entgehen und einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Dabei geht Jezdinskà so vor: "Wir suchen nach potenziellen Arbeitgebern, informieren sie über ihre Rechte und Pflichten bei der Einstellung von IKADUKs. Wenn sie bereit sind, eine integrative Berufsausbildung anzubieten, suchen wir nach passenden Jugendlichen für die Stelle." Das Projekt arbeitet deshalb eng mit den Qualifizierungsprojekten des Sozialamtes zusammen. Bevor die IKADUKs Schnuppertage absolvieren, sieht sich eine Projektmitarbeiterin den Arbeitsplatz genauer an. Diese betreut dann sowohl das Unternehmen als auch den Jugendlichen, der die Stelle erhält. "Denken wie die Wirtschaft und 'maßgeschneiderte' Jugendliche für die Firmen finden", lautet das Leitmotiv des Projektes.

Praktische Fragen

Das erleichtert die Arbeit auf beiden Seiten: "Sowohl die Unternehmen als auch die Jugendlichen wissen, dass sie sich jederzeit an uns wenden können. Dadurch fallen schon viele Ängste und Bedenken weg", so Jezdinskà. "Von den Jugendlichen kommen vor allem praktische Fragen wie 'was tun bei Krankenstand'. Die Personalverantwortlichen betreuen wir während des gesamten Integrationsprozesses." Vier Unternehmen und fünf Jugendliche lassen sich zurzeit von "wirtschaft integriert" betreuen.

Kräuter für neue Arbeitsplätze

Die Suche nach neuen Arbeitsplätzen geschieht laut Jezdinskà. Dabei helfen auch die Jugendlichen. Beim "Kräuter-Aktionstag" stellten sich die IKADUKs mit Geschenken bei 50 Hotels selbst vor – mit Erfolg: "Mit elf Hotels sind wir momentan im Gespräch, bei vier nehmen wir schon Potenzialanalysen vor", freut sich Projektmitarbeiterin Edith Bäck. Klappt die Potenzialanalyse, wo abgeklärt wird, "was möglich oder nicht möglich ist für die integrative Berufsausbildung", können die Jugendlichen erst mal ein Praktikum absolvieren.

Die Unternehmen zu überzeugen ist nicht leicht, sagen Bäck und Jezdinskà über ihre Arbeit bei "wirtschaft integriert". "Aber wenn wir sehen, wie sich die Jugendlichen im Laufe ihrer Ausbildung entwickeln, und immer selbstbewusster werden, ist das für uns der beste Lohn!" (lis/derStandard.at, 23. November 2007)