Wien - Um Autofahrer und Verwaltung künftig über schwierige Straßen- und Verkehrsverhältnisse schneller und besser informieren zu können, soll die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen bzw. mit einer zentralen Datenstelle ermöglicht werden. Im Rahmen des Projekts "Cocomint" will eine Gruppe um den Elektrotechniker Thomas Zemen vom Forschungszentrum Telekommunikation Wien (ftw) an entsprechenden Sendern und Empfänger arbeiten. Es zählt zu den zehn Siegerprojekten der Ausschreibung "Mathematik und ..." 2007 des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds WWTF. Die Projekte werden mit insgesamt 4,47 Millionen Euro gefördert und am 30. November im math.space in Wien-Neubau vorgestellt.

Moderne Fahrzeuge sind mit einer Vielzahl an Sensoren für Temperatur, Straßenzustand, Antiblockiersysteme und elektronische Stabilitätssysteme ausgestattet. Autos können daher als bewegtes Sensornetzwerk verwendet werden. Sie erlauben schnelle Rückmeldung über den Straßenzustand an die Infrastrukturbetreiber wie Stadtverwaltungen oder Autobahnbetreiber, heißt es in einer Aussendung. "Kooperative Kommunikation" in der Verkehrstelematik könnte die Sicherheit und Verkehrsflusskontrolle auf den Straßen verbessern.

Minutenaktuelle Weiterleitung

"Es gibt bereits die Wetterinformationen, etwa von der Hohen Warte, oder Sensoren auf den Straßen - wir wollen Kommunikationssysteme zur Übertragung der Daten entwicklen", so Thomas Zemen. Diese Daten sollen minutenaktuell und detaillierter - etwa für einen Straßenabschnitt von einem Kilometer - an die Fahrzeuglenker weitergeleitet werden. "So könnte man den Fahrern rechtzeitig sagen, wie etwa die Schneebedeckung auf der Straße ist."

Mit GSM und UMTS gebe es zwar bereits Funksysteme, sie seien auf die Verkehrstelematik aber nicht ganz anwendbar. "Wir wollen entweder ein ganz neues System speziell für die Verkehrstelematik entwickeln oder ein bestehendes System wie UMTS entsprechend verändern, dass es anwendbar wird." In einem ersten Schritt ist es vor allem das Ziel, die Übertragung der Wetter- und Straßeninformationen an die Fahrer zu verbessern - langfristig sind laut Zemen auch Systeme vorstellbar, bei denen die Autos untereinander kommunizieren.

Stiftungsprofessuren

Die Entscheidung über die zehn Siegerprojekte ist bereits Mitte September im Rahmen einer WWTF-Vorstandssitzung und auf Grundlage einer internationalen Begutachtung gefallen. Insgesamt wurden 37 Förderungsanträge eingereicht. Die unter dem Schwerpunkt "Mathematik und ..." laufenden zwei Stiftungsprofessuren wurden Anfang Oktober angetreten: Der Schweizer Finanzmathematiker Damir Filipovic wechselte in das neu geschaffene "Vienna Institute of Finance" und der Deutsche Joachim Hermisson forscht im Bereich der mathematischen Populationsgenetik an den Max F. Perutz Laboratories. Für beide Stiftungsprofessuren wird eine Summe von drei Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre bereitgestellt. (APA)