Zürich/Berlin - Die umstrittene Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas darf bei Zürich in einem Industriegebiet Menschen in den Freitod begleiten. Ein entsprechendes Urteil fällte am Freitag das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich. Dies gilt jedoch nicht für eine Wohnung in der Gemeinde Maur, in der auch Dignitas-Gründer Ludwig Minelli wohnt, wie das Gericht mitteilte. In Maur hatte Dignitas Anfang November zwei Deutschen auf einem Parkplatz den Selbstmord ermöglicht, was zu empörten Reaktionen vor allem in Deutschland geführt hatte.

Minelli hatte zur Rechtfertigung erklärt, er habe keine andere Wahl als auf den Parkplatz auszuweichen, weil seine Klagen gegen die Verbote von Freitodbegleitungen in Wohnungen oder Industriegebieten noch bei Gericht anhängig seien. Nach der Urteilsbegründung ist bei Gewerberäumen fraglich, ob bei regelmäßigen Begleitungen eine Nutzungsänderung vorliege. Das Gericht bejahte dies jedoch für Wohnungen.

Debatte auch in Deutschland

Die Diskussion über die Schweizer Organisation Dignitas, die einen deutschen Ableger namens Dignitate hat, ging unterdessen auch in Deutschland weiter. Der Geschäftsführer des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, lehnt kommerzielle Sterbehilfe entschieden ab. "Es ist mit unserer Vorstellung von Menschenwürde nicht vereinbar, dass man ein Angebot macht zur geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung", sagte Vesper am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Wichtig sei Hilfe im Sterben, nicht Hilfe zum Sterben. Auch in schwierigen Momenten dürfe man nicht dazu einladen oder geradezu dazu herausfordern, dem Leben ein Ende zu setzen.

Vesper warb für ein offensiveres Umgehen mit dem Thema Sterben und warnte vor einer Tabuisierung des Todes. "Der Tod ist weitgehend verdrängt", klagte der ZdK-Generalsekretär. Das gebe Initiativen wie der Sterbehilfe-Organisation Dignitate den Raum zur Entfaltung. Dignitate, ein Ableger des Schweizer Vereins Dignitas, hatte angekündigt, lebensmüden Patienten auch in Deutschland bei der Selbsttötung zu helfen. (APA/dpa/AP)