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EU-weit liegt der Frauenanteil bei ordentlichen Professuren zwischen fünf und 18, in Österreich bei sechs Prozent.

Foto: APA/dpa/Stefan Sauer
Unter dem Titel "Sind Quanten männlich oder weiblich?", fragten sich am Gender-Day Wissenschafter aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, wieso es im internationalen Vergleich gerade in Österreich ein derart großes Missverhältnis zwischen weiblichen und männlichen Arbeitnehmern im Bereich der Wissenschaft gibt.

Männerüberschuss

Sowohl die Zahl der Forscherinnen als auch der Professorinnen liegt weit unter jener der männlichen Kollegen. Mit jeder Stufe auf der Karriereleiter geht die Schere zwischen Mann und Frau weiter auseinander. Geht es um eine universitäre Ausbildung, haben Frauen die Nase vorn. 52 Prozent der Studienabsolventen Österreichs sind weiblich.

Damit endet jedoch schon die Erfolgsstory der Forscherinnen im wissenschaftlichen Betrieb. Mehr als zwei Drittel aller Assistenten hierzulande sind Männer, nur 17 Prozent der Dozenten sind Frauen. EU-weit liegt der Frauenanteil bei den ordentlichen Professuren zwischen fünf und 18 Prozent. Finnland und die Niederlande gehören zu den Spitzenreitern, Österreich mit sechs Prozent zum absoluten Schlusslicht. "Leaky Pipeline" nennt man das Phänomen. Frauen "versickern" einfach in den "speziell auf Männer ausgerichteten wissenschaftlichen Strukturen", weiß Helene Schiffbänker von Joanneum Research.

Verlorenes Potenzial

Das wissenschaftliche Potential, dass dabei verlorengehe, fehle vor allem in den Naturwissenschaften und der Technik. Aktuelle Ergebnisse eines EU-Projekts über Frauen in der Technik erklären auch, wieso es Frauen nach wie vor in die Geisteswissenschaft und die Medizin zieht: "Das hat vor allem mit der Kultur zu tun, die sowohl im universitären als auch im außeruniversitären Bereich unter Technikern vorherrscht. Die Studie belegt, dass sowohl in der Sprache, im Verhalten, im Humor und auch in den Umgangsformen Frauen signalisiert wird, wenig akzeptiert zu sein. Wären die atmosphärischen Rahmenbedingungen offener, würden auch viele Frauen erfolgreiche Ingenieurskarrieren machen", ist Ingrid Schacherl vom Institut für Technologie- und Regionalpolitik des Joanneum Research überzeugt.

Drop-Out-Quote

Der Hauptgrund für die hohe Drop-out-Quote von weiblichen Akademikerinnen im Forschungsbereich ist bekannt. "Eine wissenschaftlich erfolgreiche 'Normalbiographie' erlaubt eine mehrjährige Unterbrechung genauso wenig, wie danach nur für Teilzeit zur Verfügung zu stehen", so Schiffbänker. Die Abwesenheit hätte auch zur Folge, dass Frauen viel weniger in informelle Netzwerke oder Scientific Communities integriert seien – ein Umstand, der sich auf die berufliche Laufbahn in den Wissenschaften sehr negativ auswirkt.

Positive Leitbilder

Maya Widmer, die Gleichstellungsbeauftragte des Schweizer Nationalfonds, sieht in der Besetzung der Gremien, die über Fördergelder entscheiden, ein weiteres Problem: "Die Ungleichheit zeigt sich dort ganz manifest. Frauen sind in den relevanten Komitees völlig unterrepräsentiert. Im Schweizer Forschungsrat sind unter 100 Entscheidungsträgern nur 20 Frauen. Gesuche von Frauen für Stipendien und Forschungsgelder werden seltener positiv beantwortet als bei Männern."

Mehrfachbelastung

Kein Wunder, aufgrund der Mehrfachbelastung haben Frauen viel weniger Zeit für die Erstellung von Anträgen und Gesuchen. Männliche Wissenschafter sind mit der Frage, wie sie Privatleben und Profession unter einen Hut bringen, noch immer weit weniger konfrontiert, so der Tenor. "Man kann sich doch einfach nicht die Frage verkneifen, wieso 'Vereinbarkeit' immer nur Frauen betreffen soll. Haben Männer nichts zu vereinbaren?", wundert sich Schiffbänker.

"Doch", findet Widmer, "aber jene Männer, die sich als Väter genauso einbringen wie die Mütter, haben dann auch gleich mit denselben gesellschaftlichen und beruflichen Sanktionen zu kämpfen. Sie gelten in unseren Breiten noch immer nicht als positive Leitbilder, anders als etwa in Skandinavien." Trotz der unerfreulichen Fakten und Zahlen wolle man den Kopf keinesfalls in den Sand stecken, sondern sich weiterhin für die Gleichberechtigung von Frauen in der Forschung einsetzen. Klare Zielvorgaben bei der Besetzung von Stellen und Aufklärungsarbeit, wie es eben die Gender AG vor zahlreich erschienenem Publikum aus Wissenschaft und auch Wirtschaft betreibt, tragen ihres dazu bei. (Judith Hecht, DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.11.2007)