Viele Mieter in den USA erhalten dieser Tage unangenehme Briefe von Banken und Hypothekenfinanzierern. Sie werden aufgefordert, ihr Wohnungen zu räumen, weil die Häuser versteigert werden. Die Besitzer müssen ihr Eigentum verhökern, weil sie die Raten für die Kredite wegen gestiegener Zinsen nicht mehr zahlen können und die Sicherheiten wegen des Preisverfalls nichts mehr wert sind. In derartigen Fällen kann der Mieter nach US-Recht sein Hab und Gut einpacken. Pech gehabt.

Derartiger Pump auf kleiner Ebene spiegelt sich auf dem großen ökonomischen Parkett wider. Der einfache Häuslbauer steht stellvertretend für Amerikas Wirtschaft. Dort wird – bekanntermaßen – seit Jahrzehnten auf großem Fuß gelebt. Riesige Leistungsbilanzdefizite von mittlerweile sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts und parallel dazu kriegsbedingt explodierende rote Budgetzahlen haben die USA_in die Sackgasse geführt.

Mitverursacht wurde die Krise von Alan Greenspan, einst bewunderter Lenker der Finanzwelt, und seiner expansiven Geldpolitik. Er griff der Wirtschaft zwar mit drastischen Zinssenkungen nach dem Platzen der Internetblase und den Terrorangriffen unter die Arme, ließ aber die Zügel auch nach der Konjunkturwende schleifen. Das war so lange kein Problem, als die amerikanische Wirtschaft dank ihrer hohen Attraktivität das Minus im Außenhandel mit hohen Kapitalzuflüssen kompensierte.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Angesichts der lahmenden Wirtschaft scheuen Investoren vor weiteren Engagements zurück und investieren ihr Geld lieber anderswo. Das drückt den Dollar auf immer niedrigere Werte und belastet die Exporteure in Europa und anderen Weltregionen. Sie zahlen nun die Zeche für den Pump – den kleinen und den großen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.11.2007)