Linz - "Das hat einen Geruch, da stecken die Amerikaner dahinter". Safwan Alamil ist schwer verärgert. Der gebürtige Iraker war einer von wenigen Landsleuten, die dem Aufruf in einem Zeitungsinserat zu einem ganz speziellen Casting folgten. "Sie sind Iraker oder aus einem anderen arabisch-/kurdischsprechenden Land - dann bewerben Sie sich bei uns. Verdienst ab EUR 100,- pro Tag!", klang verlockend. "Ich hab mir gedacht, da geht es um Schauspielerei , da bin ich halt hergekommen", ärgert sich der Iraker. Doch statt eines Jobs in der Filmbranche winkte eine fragwürdige Aufgabe als Kriegsstatist. Zum Vorstellen im Linzer Hotel Steigenberger lud die Rostocker Sicherheitsfirma DSS, eigentlicher Auftraggeber war kein geringer als die US-Armee.

Auf ihrer Homepage gibt das deutsche Sicherheitsunternehmen Details zum "War-Casting" bekannt. Man organisiere ein Trainingscamp für amerikanische Soldaten, um diese "den richtigen Umgang mit der irakischen/afghanischen Zivilbevölkerung zu lehren". Es gehe dabei "nicht um einen Film, sondern um ein realistisches Training zur Vorbereitung von US Soldaten auf ihren Einsatz". Für ein "großangelegtes Rollenspiel" suche man Statisten. "Sie werden als Verkäufer, Cafébesitzer, Handwerker oder Teilnehmer einer Demonstration eingesetzt, um die nachgebauten irakischen Dörfer mit Leben zu füllen", verspricht DSS. Die Teilnehmer müssten für drei Wochen in dem Spezial-Camp auf einem Truppenübungsgelände in Hohenfels (Deutschland) bleiben.

Porno statt Krieg

Am Freitag zeigten sich die Vertreter der Sicherheitsfirma deutlich weniger auskunftsfreudig. Bereits im Eingangsbereich wurden Journalisten und Fotografen abgepasst, Interviews verweigerte man kategorisch. Möglich, dass das spärliche Interesse am Casting für Nervosität sorgte. Nur rund zehn Iraker wurden an diesem Vormittag vorstellig, sehr zur Freude der vor dem Hotel positionierten Aktivisten der "Werkstatt Frieden & Solidarität". Bis kurz vor Casting-Beginn lebte auch Hotel-Chefin Cornelia Voggl in Unwissenheit. "Hätten wird gewusst, worum es eigentlich geht, hätten wir nicht zugesagt", bedauert Voggler.

Sami Al Deek verließ bereits nach knapp fünf Minuten den Saal: "Ich bin ja nicht blöd, dass ich da mitmache. Keiner hat vorher gewusst, um was es da wirklich geht. Ich hab das Inserat gelesen und mir gedacht, da geht's um ein Theaterstück oder einen Film. Vielleicht ein Porno oder so. Ich wollte Spaß, nicht Krieg spielen", schmunzelt Al Deek. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe 24./25.11.2007)