Meise trifft auf Spatz, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Da irritiert der Titel des Kinderbuches, in dem die beiden Vögel in Sachen Liebe das große Los ziehen, zumindest zu Beginn. Aber weil auch die größte Liebe nicht ohne Streit auskommt, passt Halt doch mal den Schnabel! als Titel doch nicht so schlecht. Denn genau ums Streiten und ums Versöhnen geht es in dem Buch - für Kinder ab vier Jahren - von Elisabeth Schöberl und Anna Laura Cantone. Die Illustratorin Cantone versucht in ihren Bildern erst gar nicht, reale Vögel nachzuzeichnen. Sie setzt auf eine Fantasiewelt. Die Vögel sind seltsame Wesen mit Kulleraugen und eigenwilligen Kleidern. Es tauchen Schmetterlinge mit gebogenen Rüsseln auf, die Blätter der Bäume sind kariert. Was beim ersten Durchblättern vielleicht irritieren kann, ist in Wirklichkeit eine Stärke des Buches: Es zwingt den Betrachter geradezu, genau hinzusehen und die einzelnen Seiten mit den Augen sozusagen "abzusuchen". Schöberls Sprache wiederum ist klar und schnörkellos. In wenigen Sätzen pro Seite entwickelt die Autorin ihre Geschichte. Schöberl lässt Meise und Spatz sich gern haben, über einander schimpfen, traurig sein - und eben die Erfahrung machen, dass in jeder Beziehung einmal die Fetzen fliegen. Der Spatz mag das Singen der Meise auf einmal nicht mehr, der Meise stört das Herumgehüpfe des Partners. Kleinigkeiten also. "Wenn ich jeden Streit mit deinem Opa gleich so ernst genommen hätte, dann hätte ich ihm schon längst was gepfiffen", sagt die Meisen-Oma. Und warum man trotz Ärgers Freunde bleiben kann, erklärt wenig später die befreundete Amsel einem der Streithanseln: "Na ja weißt du, manchmal können wir selbst auch ganz schön komische Käuze sein." (pm/DER STANDARD – Printausgabe, 10./11.11.2007)