Panorama - Die Italienerinnen sind bisher die Überraschung der Weltcup-Saison. Obwohl der Skiverband pleite ist, fahren sie so stark wie schon seit Jahren nicht mehr. Denise Karbon gewann die Riesentorläufe in Sölden und Panorama, Chiara Costazza wurde auf der Reiteralm nach Halbzeitführung ebenso Dritte wie Manuela Mölgg am Samstag in Panorama.

Und das, obwohl der italienische Skiverband FISI nur dank einer Millionen-Spritze des Nationalen Olympischen Komitees (CONI) für die nächsten drei Jahre existieren kann. Dafür muss der neue Präsident Giovanni Morzenti monatlich 80.000 Euro zurückzahlen. Weil er deshalb von jedem Alpin-OK bis zu 500.000 Euro verlangen wollte, ist auch der nächstjährige Renn-Kalender in Schwebe, weil der FISI in Bormio nicht fahren will.

Nur am Geld hängen also Erfolge nicht. Vielmehr haben die routinierteren Läuferinnen endlich längere verletzungsfreie Phasen hinter sich und das reicht offenbar, um ganz vorne mitzufahren. Mölgg ist gereift und hat mit Bruder Manfred, der bei der WM in Aaare Slalom-Silber gewonnen hat, den größten Motivator in der eigenen Familie. Zudem ist Nicole Gius ins Team zurückgeholt worden und mit RTL-Coach Stefano Costazza dürfte man einen Goldgriff getan haben.

Weil Morzenti nach seinem Amtsantritt keinen Stein auf dem andern ließ, ist seit dem Frühjahr Ex-Abfahrer Michael Mair neuer Cheftrainer. Auch er konnte nicht verhindern, dass im Sommer aus finanziellen Gründen einige Kurse ausfielen. Sonderlich geschadet hat das offenbar nicht. "Wir haben neue, sehr motivierte und gute Trainer und deshalb trotz allem auch ein sehr gutes Klima in der Mannschaft", erklärte Mair in Panorama. "Und dass unsere Mädchen Skifahren können, haben sie ja schon früher bewiesen."

Karbon fährt etwa schon seit über sieben Jahren im Weltcup. WM-Silber in St. Moritz 2003 war ihr erster Erfolg, erst 2004 folgte der erste Weltcupsieg in Alta Badia. Ein Grund für ihr x-tes gelungenes Comeback ist auch in einer privat finanzierten Trainingsgruppe begründet. Unter dem Schweizer Coach Michel Bont haben Karbon, die Finnin Tanja Poutiainen und die Liechtensteinerin Tina Weirather im Sommer Kondition getankt.

Auch viele Teammitglieder von Karbon hatten im Sommer in die eigene Tasche gegriffen, um Kurse zu finanzieren. Die aktuelle Finanznot ist offenbar so groß, dass die Italienerinnen nach Panorama sogar für eine Woche zurück nach Europa fliegen mussten, weil Schneekurse in den USA vor den Rennen in Aspen offenbar nicht leistbar sind. "Wir hätten uns auch das selbst bezahlt, aber das wollte der Verband nicht", wunderte sich Manuela Mölgg. (APA)