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"Fußball ist eine Weltmacht, eine Weltsprache geworden"

Foto: REUTERS/Herbert Neubauer
Wien - "Das öffentliche Bewusstsein über die Bedeutung der Fußball-Europameisterschaft 2008 zu fördern" ist die Aufgabe des Vereins "Österreich am Ball". Um die Euro-Euphorie der Österreicher macht sich "Österreich am Ball"-Vizepräsident Beppo Mauhart keine Sorgen. "Die positive Entwicklung ist ganz deutlich spürbar. Mit dem Schnee und dem Wintersport wird jetzt sicher ein Zwischentief kommen, aber danach gibt's kein anderes Thema", zeigt sich der Ex-ÖFB-Boss im APA-Gespräch überzeugt.

12 Millionen Euro-Budget

"Die Vorbereitungen laufen gut", meint Mauhart, "Das Kunst- und Kulturprogramm spielt eine große Rolle." Schon beim Neujahrskonzert sollen Milliarden Fernsehzuseher beim Pausenfilm von Georg Riha auf das Fußball-Großereignis in Österreich eingestimmt werden. Während in Deutschland für das kulturelle Begleitprogramm der Fußball WM 30 Mio. Euro zur Verfügung standen, gibt man es in Österreich billiger: 12 Mio. Euro stehen laut Mauhart für alle Aktivitäten von "Österreich am Ball" zur Verfügung, vier davon fließen in das Kunst- und Kulturprogramm. In Deutschland hätten dennoch zentrale Projekte wie die große, von André Heller geplante Eröffnungs-Feier schließlich nicht stattfinden können, erinnert Kultur-Koordinator Jürgen Weishäupl.

Themenschau

Den größten Budget-Posten nimmt die "herz:rasen"-Ausstellung im Künstlerhaus ein. "Fußball ist eine Weltmacht, eine Weltsprache geworden", umreißt Mauhart den Ausgangspunkt. "Er ist eine soziale Realität. Millionen Menschen verbinden mit ihm den Traum vom sozialen Aufstieg. Daher wird die Ausstellung keine sein, bei der man Biografien von 127 prominenten Fußballern besichtigen kann oder das, was 30 Künstlern dazu eingefallen ist. Es soll eine Themenschau sein, die sich interaktiv diesem Phänomen stellt."

Einen hat man allerdings nicht mit der Fußball-Euphorie anstecken können: Burgtheater-Direktor Klaus Bachler hat aufgrund der Fanmeile vor den Toren seines Theaters die Vorstellungen im EURO-Zeitraum abgesagt. "Er hat uns leider keine Chance gegeben, bei ihm Überzeugungsarbeit leisten zu können", bedauert Mauhart, "Ich kann seine Entscheidung nicht nachvollziehen. Wer Fußball heute auf ein schlichtes Spiel und auf Rowdytum reduziert, hat den Fußball, wie er sich heute abspielt, nicht in seiner ganzen Bandbreite wahrgenommen."

Zwei Meter hohe Bauzäune

Dass die Fanmeile am Ring angesiedelt wurde, hält Mauhart für eine richtige Entscheidung, "denn die Erfahrung zeigt, dass die Fans auf jeden Fall ins Stadtzentrum ziehen." Weniger begeistert ist er von der geplanten Einzäunung des Areals: "Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Fans hinter einem Zaun gehalten werden. Wien muss sich als offene Stadt präsentieren." Geplant sind jedoch zwei Meter hohe Bauzäune. "Wir sind aber im Gespräch, die Zäune künstlerisch zu gestalten", betont Weishäupl. Dazu kommen eigene Kunstzonen, die in Wien etwa am Karlsplatz und am Donaukanal geplant sind. Damit Kunstwerke nicht zu allfälligem Aggressionsabbau genutzt werden können, sollen diese nicht allzu filigran ausfallen, Ton- und Lichtinstallationen werden teilweise in größerer Höhe befestigt werden. Insgesamt gehen man aber viel zu ängstlich mit der Frage von möglichen Ausschreitungen um, sagt Mauhart und verweist auf viele reibungslose Abwicklungen derartiger Großereignisse.

Dass die EURO 2008 auch viele Veranstalter auf den Plan gerufen hat, die rund um die Europameisterschaft Großkonzerte mit Topstars anbieten, freut die "Österreich am Ball"-Organisatoren. "Daran sieht man, dass sehr wohl eine Euphorie entsteht", meint Weishäupl, "Wir hätten das gar nicht selbst machen können, denn dazu fehlt uns einfach die nötige Struktur."

Noch sind längst nicht alle Aktivitäten fixiert, Gespräche mit dem ORF (Regisseur Ulrich Seidl plant ein Fußball-Projekt) werden ebenso noch geführt wie mit jenem Künstler oder jener Künstlerin, die den großen Kunst-Pokal aus Swarovski-Steinen gestalten wird. "Wir werden ihn nicht exportieren", gibt Mauhart auf die Frage nach seiner Europameister-Prognose schmunzelnd einen reichlich gewagten Sieger-Tipp ab. "Wunder gibt's immer wieder", glaubt auch Weishäupl, der das Fußballgeschehen erst seit kurzem interessiert verfolgt. Sollte das Wunder nicht eintreten, wäre Weishäupl auch mit einem Europameister Italien sehr zufrieden. In Palermo hat der Kulturmanager nämlich seinen Zweitwohnsitz. Und seinen dortigen Freunden gönnt er den Sieg beinahe so sehr wie den hiesigen Fans. (APA)