Dass ein 68-jähriger Regierungschef nach elf Jahren an der Macht von einem Jüngeren geschlagen wird, ist nicht ungewöhnlich. Der australische Premier John Howard ist auch nicht der erste, der dafür büßen muss, dass er Soldaten in den Irak entsendet hat. José Maria Aznar, Silvio Berlusconi und Tony Blair wissen alle davon ein Lied zu singen.

Aber Howard ist der erste westliche Politiker, den seine Abneigung gegen das Kioto-Protokoll um seinen Job gebracht hat. Zwar ist Klimaschutz in vielen Ländern schon seit Jahren ein zentrales Thema in der Öffentlichkeit – ein Wahlkampfschlager war es noch nie. Im Gegenteil: Vor sieben Jahren konnte George W. Bush seinen Rivalen Al Gore im US-Wahlkampf erfolgreich als „Ozon-Mann“ lächerlich machen. Selbst europäische Grünpolitiker hüteten sich vor allzu radikalen Vorschlägen zur Eindämmung der CO2-Emissionen, weil dies der Popularität schaden könnte. Im Zweifelsfall, so die Annahme, stimmen die Menschen eher für Arbeitsplätze als für Klimaschutz.

Nun ist Australien ein besonderer Fall. Howard war beim Klimawandel genauso verstockt wie sein Freund Bush und bekam lange Zeit gar nicht mit, dass eine anhaltende Dürre und die Angst vor dem Ozonloch das Denken der „Aussies“_über die Umwelt grundlegend verändert hat. Aber auch in anderen Demokratien ist ohne klare klimapolitische Ansagen keine Wahl mehr zu gewinnen. Selbst in den USA ist fest damit zu rechnen, dass der nächste Präsident den klimapolitischen Kurs ändert.

Das bedeutet nicht, dass diese grünbewegten Wähler bereit sind, für die Rettung der Welt wirklich zu bezahlen – etwa durch höhere Spritpreise oder teure Investitionen ins eigene Heim. Aber wenn Politiker, die als Klimamuffel gelten, um ihr Amt fürchten müssen, dann erleichtert das den Abschluss wirksamer internationaler Klimaschutzabkommen erheblich. (Eric Frey, DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2007)