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Friede Springer könnte jeden Anspruch auf das Erbe verlieren.

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Hamburg/Wien - Was der Verleger Axel Springer an jenem Septembertag 1985 mit seiner Frau Friede und seinem Vertrauten, dem späteren Testamentsvollstrecker Bernhard Servatius wirklich besprochen hatte, bleibt letztlich wohl für immer ein Geheimnis. Dass der Sterbende darin sein Testament zugunsten der beiden Anwesenden verändert haben soll, sorgt aber 22 Jahre danach für eine der größten Erbstreitigkeiten in der deutschen Verlegergeschichte. Mit möglicherweise schweren Folgen: Friede Springer, die die Holding seit dem Tod ihres Mannes führt, droht die Entmachtung. Ihre Gegner kommen aus der Familie: Die Springer-Enkel Axel Sven und Ariane fühlten sich von der Testamentseröffnung überrumpelt, fechteten die Vereinbarung an und bekamen bereits 2001 in zwei Schiedsverfahren Recht. Ohne die Zustimmung der beiden gibt es im Springer-Verlag keine Entscheidung mehr.

Notarkosten sparen

Doch jetzt verhandelt das Oberlandesgericht Hamburg, und diesmal geht es um alles: Weil Axel Sven inzwischen nicht mehr glauben will, dass der "Bild"-Erfinder sein Testament ändern wollte. Der Verleger sei zu schwach gewesen, um die Vereinbarung schriftlich aufzusetzen? Wie konnte er dann einen Geburtstagsgruß an seinen Freund Max Schmeling schicken, dessen Text halb so lang war wie der Wortlaut der neuen Regelung? Man habe Notarkosten sparen wollen, sagt wenig glaubwürdig die Alleingeschäftsführerin von Europas größtem Verlagshaus laut "Spiegel Online". Verliert sie den Prozess, muss sie Anteile am Verlag an Axel Sven abtreten, sie verliert auch jeden Anspruch auf das Erbe. Ein Urteil wird am 22. Jänner erwartet.

Unterdessen knüpft der Konzern laut "Spiegel" zarte Bande zu ProSiebenSat.1 über den Nachrichtenkanal N24: Diskutiert werden Programmkooperationen bis zu "Bild-TV" auf Sat.1. Eine Komplettübernahme scheiterte 2006 an den Kartellrichtern. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 26.11.2007)