Nicht vom Fleck kommt derzeit in Österreich trotz guter Konjunktur der Handel mit Neuwagen.

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Wien - In den ersten zehn Monaten 2007 haben die heimischen Haushalte um zwölf Prozent weniger neue Autos gekauft als ein Jahr zuvor. Der Automarkt - seit Jahren ein Feld heftiger Rabattschlachten und Verdrängungskämpfe - kränkelt sei längerem: Die Zahl der von Firmen gekauften Pkws stieg zwar um sieben Prozent, dies reicht aber nicht aus, um den Markt ins Plus zu bringen. Marktführer Porsche Austria, Importeur der Marken VW, Audi, Skoda, Seat und Porsche, erwartet sogar, dass sich bis zum heurigen Silvester die 300.000er-Marke bei den Neuzulassungen nicht ausgeht - das erste Mal seit fünf Jahren.

Laut Statistik wurden zwischen Jänner und Oktober 2007 insgesamt 256.544 Autos erstmals mit Kennzeichen versehen (minus 3,9 Prozent). Doch diese sind zu einem guten Teil gar nicht bei Kunden gelandet, sondern "Tageszulassungen". Diese nehmen Autohändler und Importeure vor, wenn sie für einen Zeitraum zwischen sieben und 60 Tagen so genannte Vorführwagen brauchen. Oder eben, um die Neuwagen-Statistik zu schönen, um von den Herstellern Bonuszahlungen für erreichte Mengen zu bekommen. Laut Gustav Oberwallner, oberster Autohändler in der Wirtschaftskammer, sei diese Praxis heuer so beliebt wie schon lange nicht mehr, 40.000 Autos seien maximal 60 Tage angemeldet - nicht alle Automarken machen von diesem "Marketinginstrument" (Oberwallner) in gleichem Ausmaß Gebrauch.

Moderate Entwicklung der Einkommen

Als Grund für die Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte wird in der Autobranche die im Vergleich zu den Unternehmensgewinnen nur moderate Entwicklung der Einkommen gesehen.

Aber auch die jüngsten Diskussionen über CO2-Abgaben stören die Branche außerordentlich, man vermutet, dass sich die Konsumenten auch deswegen zurückhalten. Wie berichtet will der Finanzminister ein Bonus-Malus-System an die Zulassungssteuer NoVA (Normverbrauchsabgabe) anhängen. Die endgültige Fassung der NoVA-Novelle soll Anfang Dezember stehen. Derzeit sieht es danach aus, dass ab März 2008 ein 300-Euro-Bonus für Autos gegeben wird, deren CO2-Ausstoß auf dem Prüfstand 120 Gramm pro Kilometer nicht überschreitet.

Malus geplant

Ab Mitte des Jahres soll dann ein Malus eingeführt werden, sprich: eine Strafsteuer auf Autos, deren Emissionen über einem gewissen Grenzwert liegen. Wie hoch der sein soll, ist offen: Das Finanzministerium hatte ursprünglich 160 Gramm vorgesehen, Autowirtschaft und Kraftfahrerklubs forderten 200 Gramm, damit nicht der Kauf größerer Familienautos mit mehreren Sitzplätzen bestraft werden würde. Man wird sich in der Mitte treffen, sagen Involvierte. Die Grenze könnte dann im Jahresrhythmus in Fünf-Gramm-Stufen nach unten verschoben werden.

Alternativantriebe wie Hybridfahrzeuge sollen übrigens nicht, wie ursprünglich geplant, unabhängig von ihrem CO2-Ausstoß mit einen 500-Euro-Bonus locken können, sondern müssen auch die 120-Gramm-Grenze unterschreiten. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.11.2007)