An den Universitäten steigt die Unzufriedenheit. Der Grund: Für das nichtwissenschaftliche Personal, also die "Indianer" des Wissenschafts- und Forschungsbetriebes, gibt es noch immer keinen Kollektivvertrag. Weil dessen Abschluss natürlich von der finanziellen Bedeckung abhängt. Und aufseiten der Wissenschafter droht jenen, vor allem jüngeren Forschern, deren Vier-Jahres-Verträge Ende 2008 auslaufen, eine veritable Berufskrise.

Vergangene Woche fand an der Universität Wien eine Diskussion mit den Wissenschaftssprechern von SPÖ, ÖVP und Grünen statt, bei der vereinbart wurde, schnell mithilfe eines Initiativantrages jene Mittel zu lukrieren, die eine scharenweise Abwanderung guter (=mehr als durchschnittlicher) Wissenschafter in den Privatsektor verhindern sollen. Hoffentlich bleibt es nicht beim bloßen Versprechen.

Schlimmes ist bereits passiert. Junge Spitzenkräfte, die Auslandsangebote hatten, haben Österreich verlassen - enttäuscht von einem Universitätsgesetz, das Weltklasse versprach, auf diesem Sektor aber Provinz bewirkte.

Und solche, die zwar nicht von einem Nobelpreis träumen können, deren Institute sie aber zur Sicherung hoher Qualität brauchen, müssen aus Solidarität mit ihren Familien einen weniger gefährdeten Arbeitsplatz finden.

Solidarität ist ein wichtiger Wert im privaten Leben. Und ein großes Wort in der Politik. Eben erst wieder plakatiert in der Debatte um die Defizite der Krankenkassen. Die Ärzte wollen, sagte deren Kammerpräsident, mit den Kassen solidarisch sein. Sollten wir nicht endlich auch mit den Universitäten, diesen Schlüsselinstituten für eine gute Zukunft der Republik, solidarisch sein?

Und sollten die Unis (wie überhaupt der ganze Bildungsbereich) nicht ebenfalls Schulden machen können? So wie die Autobahn-Gesellschaft Asfinag?

Warum bezahlen die Studenten eine Studiengebühr und warum leisten alle Firmen, Institutionen, Parteien, die Akademiker beschäftigen und von ihnen profitieren, keinen Beitrag? Sollte es also nicht eine Uni-Vignette geben, die bei jeder Anstellung und bei jedem Werkvertrag von Uni-Absolventen fällig wird?

Eine andere Variante wäre ein Arbeitgeber-Beitrag, der bei jeder Beschäftigung von Uni-Absolventen zu entrichten wäre.

Politik, Wirtschaft und Kultur profitieren von den Autobahnen des Gehirns. Also lasst uns darüber nachdenken, wie ein solcher Obolus zu realisieren wäre.

Es sind ohnehin keine gigantischen Beträge, die erforderlich wären, um den Universitäten ein besseres wissenschaftliches Wirtschaften zu sichern. 60 bis 70 Millionen Euro nannte der Wiener Uni-Rektor Georg Winckler als jenen Betrag, der ihn und den Senat der ärgsten Sorgen enthebt.

Zu den Schwindel-Behauptungen der Regierungspolitik (jeder Variante) gehört stets auch das Reden von "Kostenneutralität". Das war so beim Universitäts-Gesetz, das ist so bei der "Neuen Mittelschule". Tatsächlich hat es jetzt ein Jahr mit höheren Zuwendungen gegeben, aber die nötigen zwei Prozent des Brutto-Sozialprodukts für die Unis sind noch nicht erreicht. Das aber ist eine internationale Messlatte. Nordische Länder sind weit darüber.

Die letzte Schüssel-Regierung und das Gusenbauer-Kabinett zeigen deutlich mehr Verantwortung für die höhere Bildung. Aber die großen Versäumnisse der Vergangenheit sind nur durch Kraftakte aufzuholen. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2007)