Der Kürbis heißt lateinisch Cucurbita und zählt botanisch zu den Beeren. Auf Südweststeirisch heißt er auch Kirwis, gehört zur Familie der Kunstinitiativen und wird als solche seit 30 Jahren in einem atypischen Umfeld, der 2484 Einwohner zählenden Marktgemeinde Wies im Bezirk Deutschlandsberg, kultiviert. War es anfangs "so eine Theatergeschichte" names "Kalendarium Wies", wie sich Wolfgang Pollanz, einer der Kürbis-Züchter, im Gespräch mit dem Standard erinnert, bekam das Projekt nach wenigen Jahren den kulinarisch in die Region passenden Namen und wurde zu einem Mehrspartenbetrieb, der Publikum aus dem ganzen Land anzieht. Das Foyer des Hauses wird jedes Jahr von einem anderem Künstler gestaltet, heuer von Martin Hofbauer mit dem Zyklus Meantime.

"Wo seids ihr?"

Vor etwa 20 Jahren begann man auch in der mittlerweile in jeder gut sortierten Buchhandlung vertretenen edition kürbis Literatur zu verlegen: Neben Reinhard P. Gruber, Barbara Frischmuth, Werner Schandor, Anna Nöst, Mike Markart, Alfred Paul Schmidt und Anthologien zu Film, Sciencefiction, Pop, Sex und Wolfgang Bauer erschien hier auch die Autobiografie des "legendären" Austrofred. War Graz wirklich einst "heimliche Hauptstadt der Literatur", so ist Wies längst ein "heimliches Hauptkaff" selbiger.

Vor zehn Jahren folgte das Label pumpkin records, das zuerst vor allem mit der Frage "Wo seids ihr bitte?" konfrontiert war und heute fester Bestandteil der jungen österreichischen Musikszene ist. Letztere findet sich einerseits auf vielen pumpkin-Samplern, andererseits bringen Bands wie Bell Etage, Los Mariachis, Portnoy oder Hotel Prestige ihre Songs hier raus.

Aber wie kann eine Initiative, die Randkulturen in einer Landgemeinde pflegt, überleben? Pollanz: "Wir werden schon sehr gut von Land und Bund gefördert, und die Gemeinde bezahlt unsere Betriebskosten im Haus. Aber ohne die Kürbis-Philosophie gäbe es uns nicht mehr." Die Denkschule der Kürbisphilosophen ist folgende: "Alles nach Möglichkeit selbst machen." Ein hohes Maß an Gratisarbeit aller Beteiligten schließt das natürlich ein. Pollanz: "Genug Förderungen kann die freie Szene natürlich nie kriegen, denn es wäre noch viel mehr möglich." (cms/DER STANDARD; Printausgabe, 26.11.2007)