Erinnern wir uns an den weißen Donnerstag vor eineinhalb Wochen. Da wurde Österreich im traditionellen Ausnahmezustand (vorübergehend) zehn bis 50 Zentimeter höher. Judith B. befand sich im Epizentrum des strategischen Zusammenbrechens, auf einer Autobahn. Sie saß bei St.Pölten in ihrem alten Golf, als der Stau entstand. Und als er sich auflöste, saß sie noch immer dort. Auch St. Pölten war noch bei ihr.

Gegen 22 Uhr ging es ans Weiterfahren. Leider sprang der Golfmotor nicht mehr an. Das Auto blieb in der mittleren Fahrbahnspur stehen. Links und rechts zischten schon die ersten Schwertransporte vorbei, als der Mann vom ÖAMTC telefonisch zugab, überlastet zu sein. Er werde sich aber beeilen. Nach wenigen Minuten (in panischer Erwartung eines Auffahrunfalls) geschah so eine Art 2Wunder von Izmir2. Ein Mann klopfte an Judiths Autoscheibe, sprach zwar schlecht Deutsch, regelte aber todesmutig den Verkehr auf der A1, und schob das Auto im Alleingang aus dem Gefahrenbereich auf den Pannenstreifen.

Natürlich, der Helfer hätte auch ein Österreicher sein können. Aber was nützt der Konjunktiv? Schön, dass wieder einmal ein Türke in der Nähe war. (Daniel Glattauer, DER STANDARD; Printausgabe, 26.11.20079