Besseres Lüften in den Klassenzimmern - Ob dieser Tipp ernst genommen wurde, werden die PISA-Ergebnisse zeigen.

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Wien - Nach der Publikation der PISA-Studie 2003 im Dezember 2004 wurden von allen Seiten zahlreiche Vorschläge für eine Reform des Schulwesens gemacht. Die meisten davon wurden jedoch nicht umgesetzt - prominentestes "Opfer" waren die Thesen der noch von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer eingesetzten "Zukunftskommission". Einschneidendste Maßnahmen seither waren inhaltlich die Senkung der Klassenschülerzahlen (2007) sowie formal die lange umstrittene Abschaffung der Zwei-Drittel-Mehrheit für Schulgesetze (2005). In den Startlöchern befindet sich die Einführung eines verpflichtenden Vorschuljahrs für Kinder mit Sprachproblemen.

Bildungsfernsehen

Nach der Publikation der PISA-Ergebnisse 2003 überschlug sich halb Österreich mit bildungspolitischen Vorschlägen. Die Ideen reichten von einer Änderung des Schulsystems in Richtung Gesamtschule (SPÖ, Grüne) über Sprachlehrsendungen im Fach Deutsch im ORF (BZÖ) bis zum besseren Lüften der Klassenzimmer (ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt). Einige der weiteren Reformvorschläge: Längere Lehrerausbildung, Abschaffung der Landesschulräte, Verlängerung der Schulpflicht, Aufnahmsprüfungen für angehende Lehramtsstudenten, ein Aus für die Pragmatisierung der Lehrer. Ihnen gemeinsam: Sie wurden - möglicherweise abgesehen vom besseren Lüften - nicht realisiert.

Ein Vorschlag umgesetzt

Das umfassendste Konzept hat die von PISA-Österreich-Chef geleitete Zukunftskommission für das Schulwesen im Frühjahr 2005 vorgelegt. Unter anderem schlug sie ein Einschränken des Sitzenbleibens unter bestimmten Bedingungen, die Einführung eines Kurssystems in der AHS-Oberstufe, ein verpflichtendes Kindergarten- bzw. Vorschuljahr, Zugangsbeschränkungen für die Lehrerausbildung und eine gemeinsame Ausbildung für alle Pädagogen vor. Weitere Eckpunkte: Anwesenheitspflicht für Lehrer in einer "Kernarbeitszeit", ein Recht auf ganztägige Betreuung, verpflichtende Lehrer-Evaluierung, Personalautonomie und Globalbudget für die Schulen sowie eine Unterrichtsgarantie.

Umgesetzt davon wurde bisher lediglich die Unterrichtsgarantie, durch die der Schulstart um zwei Tage nach vor verlegt wurde und höchstens 2,5 Prozent der Stunden ausfallen dürfen. Zugangsbeschränkungen für die Lehrer-Ausbildung gibt es nach wie vor nur an den neuen Pädagogischen Hochschulen, die aus den bisherigen Pädagogischen Akademien hervorgegangen sind.

Weniger Unterricht

Eine Empfehlung pro oder contra Gesamtschule gab die Expertengruppe nicht ab: Für schulorganisatorische Maßnahmen empfahl man stattdessen die Einsetzung einer "Strukturkommission", die Gehrer "demnächst" etablieren wollte - allerdings nie tat. Erst ihre Nachfolgerin Claudia Schmied setzte im Frühjahr 2007 eine Expertenkommission für die Schulorganisation ein.

Zwei Maßnahmen, die bereits vor der Publikation der letzten PISA-Ergebnisse gesetzt wurde, haben für die heurigen Ergebnisse unter Umständen erstmals Auswirkungen: Die im Jahr 2006 getesteten PISA-Schüler waren die ersten Studienteilnehmer, die mit der ab dem Schuljahr 2003/04 wirksamen Kürzung von Schulstunden konfrontiert waren. Ende 2003 gingen außerdem Tausende Lehrer nach einem entsprechenden Angebot der Regierung in Frühpension, viele Stellen wurden nicht nachbesetzt.