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Die gewohnte nördliche Ausrichtung von Landkarten ist bei der Tabula Peutingeriana gegen eine überwiegend östliche eingetauscht - anders wäre eine 34 Zentimeter Breite wohl auch nicht möglich gewesen.

Foto: APA/OESTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK

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Das Mittelmeer wird also zu einem schmalen Wasserstreifen, der Italien waagrecht von der nordafrikanischen Küste trennt, während die im Osten liegenden Länder oberhalb des Adria-Steifchens angeordnet sind. Ein Trick, der neben der kompakten Form der Karte auch zur Folge hat, dass Rom in der Mitte liegt.

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Wien - Die Tabula Peutingeriana, die einzig erhaltene Straßenkarte für das Verkehrsnetz des Römischen Reiches der Spätantike, ist in die UNESCO-Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen worden. Die fast sieben Meter lange, aber nur etwa 30 Zentimeter breite Karte, die eines der wertvollsten Objekte der Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) darstellt, wird am Montagabend einmalig einer ausgewählten Öffentlichkeit präsentiert.

Die Tafel, die im 12. oder 13. Jahrhunderts als Kopie eines spätantiken Originals angefertigt wurde, ist nach ihrem ehemaligen Besitzer Konrad Peutinger benannt. 1720 gelangte sie in den Besitz Prinz Eugens und zwanzig Jahre später in die kaiserliche Hofbibliothek. Die Tabula bildet die damals als zivilisiert erachtete Welt - von Spanien bis Indien, von Großbritannien bis Nordafrika - des vierten oder fünften Jahrhunderts ab.

4.000 zum Teil unbekannte Orte verzeichnet

"Diese Karte hatte allerdings keinen repräsentativen Nutzen, sondern wurde wirklich verwendet", erklärte Andreas Fingernagel, der Direktor der Handschriftensammlung der Nationalbibliothek. Mit der schematischen Darstellung der wichtigsten Verkehrswege ergänzte sie die schriftlichen Wegbeschreibungen, an denen sich Reisende orientierten. Etwa 4.000 Orte, von denen heute nicht einmal die Hälfte rekonstruiert werden kann, sind verzeichnet. Dass dabei wichtige christliche Pilgerorte keinen besonderen Stellenwert genießen, lasse darauf schließen, dass der mittelalterliche Abzeichner des Originals keine christianisierenden Ziele, sondern eine tatsächliche historische Wiedergabe anstrebte.

Lichtempfindlich

Zur besseren Orientierung wurde schon 1976 ein Faksimile herausgegeben - mit einem ausführlichen Ortsregister und Koordinatensystem. Das Original gibt es im Normalfall nämlich gar nicht zu sehen, zu empfindlich ist es gegenüber dem Tageslicht. Nur zum Festakt am Montag ist es einmalig im Camineum der ÖNB ausgestellt, und eine neue Faksimileausgabe ist in Planung. Schließlich hat Österreich mit der die Aufnahme der Tabula in die Liste des Weltdokumentenerbes durch das "Memory of the World"-Programm bereits zehn Eintragungen zu verzeichnen und steht so gemeinsam mit Deutschland an der Spitze der 59 vertretenen Staaten.

"Die Liste bringt zum Ausdruck, dass es ein Schatz ist, diese Dokumente zu haben", erklärte Dietrich Schüller vom "Memory of the World"-Programm. "Sie soll aber auch zeigen, dass wir heute vermehrt Anstrengungen unternehmen müssen, um Aktuelles für die Zukunft am Leben zu erhalten."

Neues alt werden lassen

Es sei ein Paradoxon, dass die Dokumente umso leichter zu erhalten sind, je älter sie sind. Tontafeln könnten maximal herunterfallen, digitale Dokumente müssten jedoch systematisch von Speicherort zu Speicherort migriert werden. Mit der Liste soll also nicht nur zum Ausdruck gebracht werden, dass Altes wichtig ist, sondern auch, dass es sich lohnt, Neues alt werden zu lassen. (APA)