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Faszinierte Schüler des Gymnasiums Rahlgasse in Wien gehen den Naturwissenschaften im Chemie-Unterricht auf den Grund.

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Die Naturwissenschaften sind der Schwerpunkt des Anfang Dezembers erscheinenden Pisa-Tests. Wie gut sind Österreichs Schulen bei der Vermittlung dieses Wissens? Schüler kritisieren das Fehlen von Praxisbezug, Lehrer machen auf schwierige Umstände aufmerksam.

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Wien - "Um ein Bild zu erzeugen, muss das Ultraschallgerät die Entfernung zwischen dem Fötus und der Sonde berechnen. Die Ultraschallwellen bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 1540 m/s durch den Unterleib. Was muss das Gerät zuerst messen, um dann die Entfernung zu berechnen?"

"Das Gerät muss die Zeitdauer messen, wie lange die Ultraschallwellen von der Sonde zur Oberfläche des Fötus und von dort zurück zur Sonde benötigen", ist die richtige Antwort. Dieses Beispiel ist eine der Aufgaben, die 15- bis 16-jährige Schüler im Frühjahr 2006 in der dritten Pisa-Vergleichsstudie mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften zu bewältigen hatten. Die Ergebnisse werden am 4. Dezember erscheinen.

Ein Balanceakt

Es bedürfe einer guten Vermittlung von Naturwissenschaften an Österreichs Schulen, meint Georg Fuchs, Lehrbeauftragter für Fachdidaktik Physik an der Technischen Uni Wien und AHS-Lehrer in den Fächern Mathematik, Angewandte Computergeometrie und Physik. "Es gilt die Balance zwischen Leistungsvermittlung und Freude an Naturwissenschaften zu finden." Fuchs unterrichtet am BRG Waltergasse.

"Die Stundenkürzungen und die hohen Klassenschülerzahlen erschweren den Unterricht", kritisiert die Physik, Chemie und Biologie unterrichtende Elisabeth Schindler vom BGRG Ettenreichgasse. Unter solchen Umständen sei es unmöglich, den Schülern ein Gefühl für die Naturwissenschaften zu vermitteln. Fuchs berichtet, dass die Anforderungen immer schwieriger werden: "Die Leistungsfähigkeit und das, was die Schüler an Vorwissen mitbringen, sind sehr inhomogen."

Abhilfe für bessere Ergebnisse in der Pisa-Studie könne Fuchs zufolge die Gesamtschule nicht schaffen. Er bezweifelt nicht, dass diese eine große Bedeutung für die Gesellschaft haben könne, doch "wenn's nur um die Leistungsschiene geht, ist diese Neuvariante, bei der eine bestimmte Heterogenität der Schüler vorgegeben ist, hinderlich".

Etwas, das Georg Mantler der VP-nahen Schülerunion anders sieht. Die Lösung für Österreichs "Bildungsproblem" seien Gesamtschulen mit innerer Differenzierung und nicht Schulversuche, denn "es reicht nicht, nur die Lücken zu flicken, es soll effektiv daran gearbeitet werden". Die Lehrpläne seien "völlig veraltet", meint der VP-Schülervertreter. "Themen, die wir im weiteren Leben brauchen könnten", sollten verstärkt unterrichtet werden, meint Mantler.

Auch Carina Scheller (13) hat Ideen dazu, wie das Interesse der Schüler an den Naturwissenschaften zu wecken ist: Durch einen größeren Bezug zum Alltag könnte beispielsweise der Physikunterricht interessanter werden. Die Idee, Naturwissenschaften wie Physik lebhafter zu gestalten und mehr Interesse seitens der Schüler zu wecken, steckt hinter der Veranstaltung "Visualise - The Beauty of Science" im "brut".

Schöne Wissenschaft

Ein Knall - und schon schießt ein Rauchring aus dem Mistkübel. Immer mehr Ringe zischen heraus, und ein Spiel der Physik beginnt. Der Saal im "brut" war gefüllt mit Elf- bis 14-Jährigen, die der Einladung des British Council gefolgt waren, um eine etwas andere Physik-Stunde zu erleben. Die Multimediashow tourt durch Europa, wobei es vorerst einmalig am 20. November drei Vorstellungen in Wien gab.

"Visualise" besteht aus Experimenten, allerdings kommen Elemente der Schauspielerei nicht zu kurz. Die Versuche basieren auf physikalischen Phänomenen wie das der Verästelung oder der Wirbel, kombiniert mit Licht- und Soundeffekten. Spiel ist ein wichtiger Teil der Vorstellung. So fallen grüne Luftballons auf das Publikum herab, während im Hintergrund grüne Erbsen gekocht werden.

Wie viel die Show wirklich zum Verständnis der Physik beiträgt, bleibt unter den Schülern umstritten: Im Gegensatz zu Danae Rios (13), die "nicht wirklich ein besseres Verständnis für Physik" entwickelt hat, bestand für Maximilian Haberl (12) "schon eine Verbindung zu Physik". Einig sind sie sich jedoch darüber, dass diese Physikstunde mehr Spaß als der konventionelle Unterricht bereitet hat.(Bath-Sahaw Baranow, Ina Bauer, Sara Mansour Fallah/DER STANDARD Printausgabe, 27. November 2007)