Erst 1992 wiedergefunden: Silberprunktisch aus dem 17. Jahrhundert.

Foto: Esterházy
Paris - In der zappendusteren, durchaus authentisch wirkenden Inszenierung Jacques Garcias ist das Material der Exponate auf den ersten Blick nicht zweifelsfrei erkennbar. Die 150 in den Appartements des Sonnenkönigs in Versailles vom Interior Designer verteilten Möbel könnten genauso gut aus Gold sein. "Das wäre dann wohl doch 'too much' gewesen", merkt Stefan Körner, Kurator der Esterházy-Sammlungen, auf die Budgets der ehemaligen Auftraggeber verweisend an.

18 von insgesamt 30 Silbermöbeln haben ihren Weg von der Burg Forchtenstein nach Versailles gefunden. Bis 9. März sind sie hier in königlicher Gesellschaft versammelt, im Rahmen der Ausstellung Quand Versailles était meublé d'argent ("Als Versailles mit Silber ausgestattet war"). Das Highlight der Österreich-Fraktion ist ein Prunktisch aus dem 17. Jahrhundert. Den stattlichen Preis von 3000 Gulden hatte Paul Esterházy dafür berappt - mehr, als das Kaiserhaus jemals für ein Einzelkunstwerk ausgegeben hätte. Es war ein Prestigekauf, mit dem der charismatische Magnat aus Ungarn beeindrucken wollte.

Tisch mit Nackedeien

Ursprünglich hätte der von einem Augsburger Silberschmied gefertigte Tisch Teil einer umfangreichen Schenkung von Kaiser Leopold I. sein sollen. Seit 1606 gab es zwischen den Herrschern in Wien und Konstantinopel die Vereinbarung des gegenseitigen Austauschs von Botschaftern und regelmäßigen Geschenken. 1664 stellte man die aufwändigste der sogenannten Türkischen Verehrungen zusammen. Der vorgesehene Tisch wurde wegen der im Dekor gezeigten Nackedeien zurückgezogen. Graf Paul nutzte die Gelegenheit und stockte seine Kunstkammer auf.

Im Laufe von Generationen entstand bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine kunsthistorisch überaus beachtenswerte Sammlung. Darunter auch eine von Nikolaus II. Esterházy geprägte Gemäldesammlung und das legendäre Kupferstichkabinett, beides stiftete man 1870 dem ungarischen Staat, gegenwärtig sind sie Bestand des Museums der Schönen Künste in Budapest.

Seit Ende September gastiert eine Auswahl dieser Meisterwerke in Compiègne, dem größten Jagdschloss der französischen Könige und Kaiser. 80 Kilometer nordöstlich von Paris begann im Herbst so eine Grand Tour Esterházy'scher Objekte. Seit Oktober weilt Leopoldine Esterházy-Liechtenstein in der Villa Borghese - in Form einer Skulptur Antonio Canovas zu dessen großer Retrospektive in Rom (bis 3. Februar). Parallel dazu laufen Verhandlungen mit dem Moskauer Kreml, bestätigt Stefan Körner. Ebenso sei eine Ausstellungsreihe von Kunstwerken des 18. und 19. Jahrhunderts in Südostasien angedacht.

Münzen aus Möbeln

Seit der Gründung der Esterházy-Stiftungen 1992 und der damit verbundenen wissenschaftlichen Aufbereitung der Sammlung stellt das aktuelle Versailles-Gastspiel den absoluten Höhepunkt. Dafür hatten sich allerdings Fachleute einsetzen müssen, sonst wollen die verantwortlichen Kunsthistoriker in Versailles auch gegenwärtig nur königliche Provenienzen beherbergen. Weil Ludwig XIV. selbst sämtliche Silbermöbel zugunsten seiner Kriegskasse einschmelzen ließ, sprangen jetzt andere Königshäuser ein: Margarete von Dänemark öffnete ihre Schatzkammer ebenso wie Königin Elisabeth von England, und den Moskauer Kreml plünderten die Kunsthistoriker ebenso vorübergehend wie Bestände des Hauses Hannover. (Olga Kronsteiner aus Paris /DER STANDARD, Printausgabe, 27.11.2007)