Es ist ein recht verkompliziertes Weihnachtsmärchen, welches die Kammeroper mit Jason Robert Browns Musical The Last Five Years auf die Bühne schupft. Der 90-minütige Einakter, für seine 14 Songs mit dem Drama Desk Avard ausgezeichnet, punktet mit schmissiger, anspruchsvoller Musik. Ein großer Schlüssel öffnet einen Koffer und gibt so den Blick auf die Bühne frei (Ausstatter Duncan Hayler und Lichtdesigner Harry Michlits lassen die Szenen rasend schnell ablaufen). Hier begegnet uns Cathy, gesungen von Caroline Frank, die stimmlich den notwendigen Musical-Biss hat. Sie stellt eine zu grüblerische Jungschauspielerin dar, welche sich in Chorus-Line-ähnlichen Auditions ihren Weg suchen muss. Mit ihrem ersten Song Still Hurting steht sie gerade vor den Scherben ihrer fünfjährigen Ehe. Ihr Part beschreibt die Begegnungen mit Jamie, rückwirkend bis hin zum ersten Rendezvous. Jamie nun, ein jüdischer Schriftsteller auf dem Weg nach oben (Rob Fowler ist eine gute Besetzung!), beginnt reziprok seine Darstellung der Beziehung mit dem ersten Abendessen mit Cathy. Regisseur Alonso Barros lässt beide nur einmal auf der Bühne zusammentreffen, beim Heiratsantrag. Als Ausgleich für so viel Kopflastigkeit gibt es gefühlvolle (Goodbye Until Tomorrow), melancholische (I'm A Part Of That), überdrehte (Shiksa Goddess) und flippige (A Summer in Ohio) Nummern sowie ein großartiges Kammer-Spiel (The Schmuel Song). Dirigent Michael Schnack führt die sechs Instrumentalsolisten der Kammeroper sicher durch das Beziehungsdickicht, das nichts ist für festgefahrene Intoleranzler. (henn /DER STANDARD, Printausgabe, 27.11.2007)