Wien - Krebsbehandlung und -forschung auf internationalem Spitzenniveau sollen in fünf Jahren in Wiener Neustadt Einzug halten. Dann soll nämlich das Forschungszentrum MedAustron seinen Betrieb aufnehmen.

Schweizer Kernforschungsinstituts CERN

Das Land Niederösterreich hat sich nun für das rund 160 Millionen teure Projekt einen renommierten Partner gesichert: Am Montag unterschrieben Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) und der Generaldirektor des Schweizer Kernforschungsinstituts CERN, Robert Aymar, einen Kooperationsvertrag.

Punktgenau mit weniger Nebenwirkungen

Es ist vorgesehen, ab 2012 pro Jahr 1200 Krebspatienten bei MedAustron zu behandeln. Darüber hinaus wird zu einer modernen Form der Strahlentherapie, die mit Kohlenstoffionen und Protonen erfolgt, geforscht. Diese Art der Therapie ermöglicht die punktgenaue Bestrahlung von Tumoren. Die Nebenwirkungen sollen dadurch sehr gering gehalten werden.

CERN begleitet Niederösterreicher

Für die Forschung zu dieser Therapieform bedarf es einer Anlage zur Teilchenbeschleunigung. Diese soll bei MedAustron in Wiener Neustadt das "Herzstück" werden. Das Genfer Kernforschungszentrum CERN, bei dem 12.000 Wissenschafter beschäftigt sind, wird das Projekt in Niederösterreich wissenschaftlich begleiten. Konkret bedeutet das, dass das Know-how des weltweit größten Physik- und Beschleunigungszentrums in die Planung und das technische Design des Teilchenbeschleunigers von MedAustron einfließen werden.

Teilchenbeschleunigung in Wiener Neustadt

Außerdem soll in den kommenden zwei bis drei Jahren ein rund 20-köpfiges Team aus heimischen Wissenschaftern sowie AHS- und HTL-Absolventen im CERN Erfahrungen sammeln und an der Entwicklung des Teilchenbeschleunigers von MedAustron mitarbeiten. Später werden sie das Projekt in Wiener Neustadt betreuen.

Das Land haftet für das Projekt mit 120 Millionen Euro. MedAustron wird in der Nähe des Flugplatzes Ost entstehen und soll 1100 Arbeitsplätze bringen. Bauliche Vorbereitungsmaßnahmen sollen Anfang 2008 starten. Bis März dürfte auch der Generalplaner des Projekts feststehen. (Gertraud Singer, DER STANDARD, Printausgabe, 27.11.2007)