Sogar mit T-Shirts versucht die Uni Salzburg, ihren Absolventen das Berufsleben als Bachelor schmackhaft zu machen. Bisher mit wenig Erfolg.

Foto: Peherstorfer

Am Podium in Salzburg (von links nach rechts): Gerhard Petri (Unternehmensberater), Alexander Hofmann (Wirtschaftskammer), Elfi Geiblinger (Moderation), Julia Rafetseder (ÖH Salzburg), Rudolf Mosler (Uni Salzburg), Peter Unterkofler (Jacoby Pharmazeutika).

Foto: Peherstorfer

Leere Sitzreihen im Uni-Hörsaal: Nur 50 Zuseher interessierten sich für die Bachelor-Diskussion.

Foto: Peherstorfer

Salzburg – Praxisnah ausgebildet, sozial kompetent, flexibel einsetzbar: Das alles sollen die Absolventen von Bachelor-Studiengängen sein – zumindest, wenn es nach den Wünschen der Unternehmer geht. Die Wirtschaftskammer hat zur Umstellung auf das dreigliedrige Studiensystem mit Bachelor,Master und Doktorat 70 Experten aus großen Unternehmen, aus Unis und Fachhochschulen befragt. Mit den Ergebnissen tourt sie im Moment durch Österreichs Unis. Zuerst hat sie in Salzburg Station gemacht.

Der Wunschzettel der Unternehmer

"Der Bachelor ist am Arbeitsmarkt noch nicht so willkommen, wie er sein sollte", stellt Vizerektor Rudolf Mosler von der Uni Salzburg fest. Dennoch: Die Mehrheit der großen Unternehmen stehe den neuen Studienabschlüssen positiv gegenüber, liest Wirtschaftskammer-Bildungsreferent Alexander Hofmann aus seiner Untersuchung. Auf dem Wunschzettel der Personalchefs stünden ein breites Grundlagenwissen, praxisnahes Anwendungswissen und die richtigen Umgangsformen. Gerade Klein- und Mittelbetriebe seien über das neue Studien-System aber noch zu wenig informiert, räumt Hofmann ein.

Bachelor als "Durchgangsstadium"

Skepsis herrscht auch bei den Studierenden selbst: "Die meisten denken nicht, dass das ein richtiges Studium ist", sagt Salzburgs ÖH-Vorsitzende Julia Rafetseder (VSStÖ). Die Konsequenz: Viele der neuen Bachelors schließen nahtlos das Masterstudium an. Für den Salzburger Wirtschaftskämmerer Rudolf Eidenhammer ein falscher Weg: "Es kann nicht sein, dass man ein neues Studium einführt und das dann immer nur als Durchgangsstadium sieht." Vielmehr sollten die frisch gebackenen Akademiker einige Jahre Berufspraxis dazwischen einlegen, fordert Hofmann: "Das ist etwas, wofür wir auch politisch kämpfen."

"Keine Halbakademiker"

Ob Unternehmen ihre Mitarbeiter dann einfach so in ein Masterstudium ziehen lassen, sei aber "auch noch nicht ausdiskutiert", schränkt er ein. Die gesetzlichen Möglichkeiten der Bildungskarenz seien jedenfalls wenig populär. Jedenfalls aber seien die Bachelor-Absolventen aus Sicht der Wirtschaft "keine Halbakademiker", sagt Hofmann: "Der Bachelor ist eine vollwertige berufsvorbereitende Ausbildung. Jede andere Diskussion ist sinnlos." Von der öffentlichen Hand erwartet er sich ein entsprechendes Signal: Bachelors sollen als akademische A-Kräfte anerkannt werden.

"Es geht nicht darum, was studiert wurde"

Bei den Firmen sei die Umstellung auf das dreigliedrige System, der so genannte Bologna-Prozess, sehr willkommen, sagt Peter Unterkofler, seines Zeichens Vorstand beim Pharma-Unternehmen Jacoby in Hallein. Und er deponiert einen Wunsch: "Der Bachelor sollte nicht so sehr in die Tiefe gehen. Es geht nicht in erster Linie darum, was studiert wurde, sondern darum, dass Akademiker soziale Kompetenzen erworben haben."

Breiter Bachelor, enger Master

Ins selbe Horn stößt der Unternehmensberater Gerhard Petri aus Zell am See: "Ein Akademiker muss in der Lage sein, eine komplexe Fragestellung zu analysieren, zu lösen und die Lösung umzusetzen." Detailliertes Fachwissen sei höchstens zweitrangig. Bachelor-Studien sollten sich deshalb auf eine breit angelegte Grundausbildung konzentrieren, die Spezialisierung dagegen erst in Master-Studien stattfinden, fordert Wirtschaftskammer-Referent Hofmann.

Studienpläne neu gestaltet

Die Umstellung der meisten Studienrichtungen vom klassischen achtsemestrigen Diplom auf sechs Semester Bachelor mit einem darauf aufbauenden Master habe Potenzial, längst nötige Reformen anzustoßen, meint Uni-Salzburg-Vizerektor Mosler: "Das hat zu einer unglaublichen Diskussion darüber geführt, wie man Studienpläne gestaltet, und das war wichtig."

Kunst des Weglassens

Das heiße aber nicht, "dass wir alles machen, was die Wirtschaft fordert". Man könne an einer Uni nicht nach Belieben "ein bisschen Fachwissen, ein bisschen ‚Social skills‘ und ein bisschen Fremdsprachen zusammenpacken". Auch Hofmann warnt vor einer "Nivellierung nach unten" durch den Bachelor. Dennoch kritisiert er, dass oft zu viel aus dem alten Diplomstudium ins Bakkalaureat gepackt werde. Dadurch bleibe wenig Raum für individuelle Zusatzmodule. "Perfektion ist nicht die Kunst des Hinzufügens, sondern die des Weglassens", sekundiert sein Salzburger Kollege Eidenhammer.

Bunte Kombinationen

Geht es nach Jacoby-Vorstand Unterkofler, sollen verschiedene Bachelor- und Master-Studien auch miteinander kombinierbar sein: "Der Geisteswissenschaftler soll die Möglichkeit haben, nach vier Jahren Berufspraxis einen Wirtschafts-Master zu machen. Genauso soll ein Naturwissenschaftler einen Jus-Master machen können." Wirtschaftskämmerer Hofmann ist da eher skeptisch: "Wenn ich etwa als Wirtschaftswissenschaftler ausgebildet bin, macht es dann wirklich Sinn, in ein Technik-Masterstudium einzusteigen?" Immerhin solle es sich dabei um spezialisierte Ausbildungen handeln, erinnert er. Ein zweites Bakkalaureat sei da möglicherweise angebrachter.

Geringes Interesse beim Publikum

Die Unternehmen werden jedenfalls nicht umhinkommen, sich auf die Welle der Bachelors einzustellen. Spätestens 2010 sollen alle Studienpläne umgestellt sein – und wenige Jahre darauf wird es keine anderen Absolventen mehr geben. Das Interesse für die Umstellung scheint aber endenwollend zu sein – gerade einmal 50 Zuseher hatte die Infoveranstaltung an der Uni Salzburg. Die Wirtschaftskammer tourt dennoch munter weiter – am 28. November wird in Klagenfurt diskutiert, tags darauf in Graz. (Markus Peherstorfer/derStandard.at, 27. November 2007)